Vorurteile
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#Vorurteile und deren unterbewusste Beeinflussung kindlicher Entwicklung

#Vorurteile und ihr Einfluss auf die Entwicklung des Kindes

In den letzten sieben Tagen haben sieben spannende Menschen ihre Lebensgeschichten mit uns geteilt. Sie haben gezeigt, was diese Vorurteile mit ihnen machen und wie unfair es ist, einen Menschen zu verurteilen, bevor man ihn überhaupt kennt. Heute geht es als Abschluss der Vorurteile-Reihe darum, welchen Einfluss unbewusste Vorurteile von zum Beispiel Lehrern auf die Entwicklung eines Kindes haben. Da mir hierfür das Know-how fehlt, habe ich meine liebste Schwägerin Ilka Wolter gebeten, etwas hierzu beizusteuern. Ilka ist Psychologin und hat sich hierbei auf Geschlechterunterschiede in schulischen Leistungen spezialisiert.

Alle anderen Artikel zur Beitragsreihe #Vorurteile findet ihr hier.

Was passiert mit uns, wenn Personen Vorurteile über uns selbst als Mitglieder einer sozialen Gruppe haben? Welche Effekte haben Vorurteile, denen wir uns mehr oder weniger subtil ausgesetzt sehen? In der psychologischen Forschung wird in diesem Zusammenhang das Phänomen der sich selbsterfüllenden Prophezeiung untersucht. In dieser Forschungsrichtung konnte nachgewiesen werden, dass Personen sich ziemlich automatisch an den Erwartungen ausrichten, die an sie gerichtet werden.

Schulische Entwicklung

Betrachten wir das Ganze an der schulischen Entwicklung von Kindern. Hier gibt es beispielsweise Vorurteile gegenüber Kindern aufgrund des elterlichen Bildungshintergrunds, des Migrationshintergrunds oder auch aufgrund des Geschlechts der Kinder. Es gibt zum Beispiel weithin geteilte Annahmen darüber, in welchen Bereichen entweder Jungen oder Mädchen bessere Leistungen zeigen und erfolgreicher sein werden. Bekanntermaßen hält sich die Vorstellung, dass Mädchen nicht gut in Mathematik und Jungen nicht gut im Bereich Sprachen sind. Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass Kinder individuelle Unterschiede zeigen, die sich nicht auf die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht zurückführen lassen. Trotzdem halten sich diese Vorstellungen hartnäckig und es stellt sich die Frage, welchen Einfluss es hat, wenn ein Kind sich immer wieder einem Vorurteil ausgesetzt sieht.

Wenn ein Kind davon ausgeht, dass die Lehrerperson ihm keine guten Leistungen in bestimmten Fächern zutraut, kann sich dies negativ auf die Erfolgserwartung und Anstrengungsbereitschaft des Kindes in diesen Fächern auswirken. Erwartungen an Jungen und Mädchen, die aus bestimmten Vorannahmen abgeleitet werden, können von Lehrpersonen offensiv geäußert werden oder sie zeigen sich weniger offensichtlich im Verhalten der Lehrperson oder in den Interaktionen mit dem jeweiligen Kind. Zum Beispiel können aufgrund der Erwartungen, die Lehrpersonen an Kinder haben, im Unterricht unterschiedliche Aufgaben ausgewählt werden, die Jungen und Mädchen bearbeiten sollen. Auch in den Rückmeldungen an die Kinder zeigen sich sehr wahrscheinlich die jeweiligen Erwartungen der Lehrperson.

Jungsfach Mathe?

Wenn in der Schule also Jungen mit schwierigeren Matheaufgaben herausgefordert werden, aber im Deutschunterricht nicht so häufig gefragt werden, einen Text vorzulesen, können sie dementsprechend nur in einem Bereich ihr Können unter Beweis stellen. Die Mädchen, die wiederum im Bereich Mathematik „geschont“ werden, können auch hier die Erwartungen an sie nicht widerlegen. Die Vorannahmen der Lehrperson werden dadurch also immer wieder bestätigt, weshalb sich auch ihr späteres Verhalten an diesen für sie bestätigten Vorurteilen ausrichtet. Es gibt weitere Erklärungen dazu, warum Erwartungen sich hier zu bestätigen scheinen. Ein Effekt, der in der Psychologie ebenfalls sehr gut untersucht ist, ist die sogenannte Bedrohung durch Stereotype: Claude Steele und Joshua Aronson haben im Jahr 1995 nachgewiesen, dass Personen, die sich einem negativen Stereotyp ausgesetzt fühlen, in Leistungssituationen dieses Stereotyp bestätigen. Auch über dieses Phänomen werden Vorannahmen bekräftigt und dadurch auch zukünftig aufrechterhalten.

Vorurteile erkennen

Was können wir also tun, um unsere eigenen Erwartungen nicht auf andere Personen zu übertragen? Es wird deutlich, dass wir unsere eigenen Erwartungen und Vorurteile immer wieder hinterfragen müssen. Vor allem müssen wir die Erwartungen überdenken, die wir gegenüber Personen einer bestimmten Gruppe haben. Wichtig ist auch, dass Verhalten gegenüber anderen Personen zu beobachten und gegebenenfalls zu korrigieren – vor allem gegenüber Personengruppen, die einem negativen Vorurteil ausgesetzt sind. Nur indem wir stetig unser eigenes Verhalten und unsere Erwartungen reflektieren, können wir das Aufrechterhalten von bestimmten Vorurteilen und den

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  1. Da haben wir bei uns in der Schule wirklich glück. Bei uns wird da außer bei den Umkleidekabinen kein Unterschied gemacht. Die Mädchen haben das gleiche zu machen wie du Jungs und anders herum. Klar ist das manchmal für meine Mädchen eine ganz schöne Herausforderung aber sie haben mittlerweile den Ehrgeiz entwickelt das auch zu schaffen.

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