Vorurteile
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#Vorurteile: Eine Regenbogenfamilie in der Wildnis

#Vorurteile: Eine Regenbogenfamilie in der Wildnis

Heute habe ich eine Familie jenseits der gesellschaftlichen Norm im Gespräch. Caroline lebt mit ihrer Frau und ihren Kindern in der Wildnis. Ihr ahnt schon, dass es hier viel zu berichten gibt. Wenn ihr mehr über das Leben dieser Regenbogenfamilie in der Wildnis erfahren möchtet, könnt ihr das auf Carolines Blog Wildnisfamilie tun.

Alle anderen Artikel zur Beitragsreihe #Vorurteile findet ihr hier.

Liebe Caroline, ihr seid eine ziemlich ausgefallene Familie. Auf deinem Blog Wildnesfamilie beschreibt ihr euch wie folgt: Regenbogen, Patchwork, Großfamilie, Freilerner, Konsumverweigerer, windelfrei. Eine lange Liste und noch nicht mal vollständig. Habe ich noch was Wichtiges vergessen? Was denkst du macht euch als Familie aus. Wahrscheinlich nicht nur die Attribute, die ich gerade aufgezählt habe.

Für uns als Familie ist Zusammenhalt eines der Dinge, die uns prägen. Dazu kommt, dass wir alle sehr anpassungsfähig sind, ganz egal wie widrig die Umstände auch sein mögen. Durch unsere verschiedenen Lebensstile sind wir geländegängig.

Wir legen sehr viel Wert auf die Möglichkeit der individuellen Entwicklung jedes Einzelnen in unserer Familie und haben und verbringen viel Zeit für- und miteinander. Gerade im Teenageralter, wenn viele Eltern den Kontakt zu ihren Kindern verlieren, haben wir intensiven Kontakt und das Verhältnis „Mutter-Kind“ verwandelt sich in eine generationenübergreifende Freundschaft. Wir wissen, was unsere Jugendlichen bewegt und haben Anteil an ihrem Erwachsenwerden.

Wie gehen eure Kinder und eure Familie mit eurer Familienkonstellation um?

Diese Frage stellen sich unsere Kinder nicht. Für sie ist unsere Familie völlig normal. Genauso geht es einem Kind, was bei zweigeschlechtlichen Eltern aufwächst oder aber bei nur einem Elternteil usw. Das etwas außerhalb der Norm ist, wird erst klar, wenn man sich vergleicht oder verglichen wird. Das findet bei uns kaum statt. Daher ist es für unsere Kinder, wie es ist.

Welches Vorurteil hat dich bisher am härtesten getroffen und von welcher Person kam dieses?

Generell treffen mich Vorurteile anderer nicht, weil es ihr Leben ist und ihre Vorstellungen sind, die mit unserem Leben nicht übereinstimmen müssen. Ich kann daher ihre Gedanken über das, was wir tun bei ihnen belassen.

Gängige Vorurteile sind:

  • Die Kinder lernen nichts, wenn sie nicht müssen und landen irgendwann unter einer Brücke.
  • Ohne Schule fehlt es an Sozialisation.
  • Eure Kinder wachsen ohne Schule isoliert auf, sind daher nicht gesellschaftsfähig.

Da wir unseren Kindern vertrauen, haben wir mit diesen Vorurteilen, die meist aus Unwissenheit und Angst herrühren, keine Probleme. Diese Menschen kennen es nicht anders und sind geprägt. Sie müssen solange so denken, bis sie sich trauen über den Tellerrand zu schauen und dadurch eine neue Sicht bekommen.

Und zu dem Vorurteil die Kinder wären nicht gesellschaftsfähig: Die Kinder sind nicht isoliert. Wir geben den Kindern starke Wurzeln, solange sie bei uns sind. Mit diesen starken Wurzeln können sie besser den Stürmen in der Gesellschaft standhalten. Beziehungsweise wir stellen in Frage, ob ein Leben in der Gesellschaft erstrebenswert ist. Denn wir leben am „Rande der Gesellschaft“ und sind damit sehr glücklich. Viele in der Gesellschaft wünschen sich genau so ein Leben. Liest man Häuseranzeigen im Internet und gibt das Wort „Alleinlage“ ein, erhält man hunderte Gesuche. Das spricht doch eine eigene Sprache. Immer mehr wollen sich zurückziehen aus dem Wahnsinn der zivilisierten Gesellschaft.

Wenn unsere Kinder mit einem Leben unter einer Brücke glücklich wären, dann sind wir es auch. Doch wir glauben nicht, dass sie unter einer Brücke leben würden, weil nichts besseres aus ihnen werden konnte, nur weil sie keine klassische Schulbildung „genießen“ konnten (mussten). Jedes Kind und jeder Mensch lernt mit Freuden neue Dinge und ist neugierig auf ihm unbekanntes, wenn er nicht durch vorgegebene Zwangsmaßnahmen abgelenkt wird. Unsere Kinder lernen freiwillig und mit Eifer. Sie lernen nicht nach vorgegebenen „Leerplänen“, die sich irgendwelche Menschen für alle ausgedacht haben, sondern nach ihren Interessen und Fähigkeiten.

Gibt es ein Vorurteil oder mehrere, die du hier gerne wiederlegen möchtest? Eines das dich zum Beispiel am meisten nervt?

Mir liegt nichts daran etwas widerlegen zu müssen, denn dann würde ich irgendwie missionieren. Wir leben unser Leben und sind Stein zum Anstoß. Anstoß selbst etwas in seinem Leben zu ändern oder Anstoß, der einfach nur weh tut.

Gibt es Situationen in denen du besonders viel Angst oder Respekt davor hast, was dein Gegenüber von dir denkt? Wann ist das?

Was die anderen über mich oder uns denken ist allein ihre Sache. Ich belaste mich nicht damit. Heute jubeln sie einem zu und morgen ist man abgeschrieben. Auf beides lege ich keinen Wert, denn beides ist vergänglich. Was zählt und Relevanz hat ist das, was ich selbst über mich denke und wie ich mir selbst in die Augen schauen kann. Und Relevanz hat meine Familie. Denn wir kennen uns mit all unseren Ecken und Kanten und als Familie gehen wir durch dick und dünn.

Hat deine Lebenssituation schon dazu geführt, dass Vorurteile in Hass umgeschlagen sind? Wenn ja, was hast du dabei gefühlt und wie hast du reagiert? Vor allem mit deinem Blog machst du dich für die Öffentlichkeit ja angreifbar.

Nein, ich habe noch nie Hass gespürt. Hass wäre ja auch nur ein Ausdruck von Angst. Und wenn jemand uns hassen würde, könnte ich das so oder so nicht glauben. Denn wie kann man jemanden hassen, den man nicht kennt?

Das Internet ist eine virtuelle Welt und kaum jemand kennt uns wirklich. Natürlich kann jemand die Dinge hassen, die wir tun. Denn wir halten vielleicht einen Spiegel vor. Und das kann schmerzen. Wenn jemand das lebt, was man selbst leben will und es doch nicht tut. Dann kann ich mir vorstellen, dass solche Gefühle auftauchen. Doch niemand ist gezwungen in den Spiegel zu schauen. Ich fühle mich aber nicht verantwortlich dafür und dieser Mensch schadet mit diesen destruktiven Gefühlen in erster Linie sich selbst.

Was möchtest du anderen mit auf den Weg geben, die ebenfalls in keine Schublade passen?

Hüpft aus der Schublade raus und lasst euch nicht weiter den Kopf einklemmen, wenn jemand versucht die Schublade zu schließen 🙂

Alles beginnt mit einer Entscheidung. Wenn diese getroffen ist, kommt der erste, dann der zweite Schritt. Das Leben kann sehr einfach sein, wenn man es sich nicht unnötig kompliziert macht und nicht stetig die Kontrolle über alles behalten will, sondern vertraut. Vertrauen in sich, in die Stimme, die einen lenkt – das ist ein Schlüssel für uns gewesen. Loslassen um Neues zu entdecken.

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