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#Vorurteile – Eine alleinerziehende Teenager-Mama räumt auf

#Vorurteile - Eine alleinerziehende Teenager-Mama räumt auf

Junge Mütter sind unfähig ihr Kind selbst zu erziehen, dumm und haben keinen Schulabschluss! Lena ist mit 18 Jahren Mama geworden und räumt mit diesen Vorurteilen auf. Denn sie ist nicht nur Studentin, sondern schafft es auch noch sich liebevoll um ihr Kind zu kümmern, wie jede andere Mama auch.

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Liebe Lena, du bist 23 Jahre jung und hast eine vierjährige Tochter. Du bist also mit 18 Jahren Mama geworden und warst auch von Anfang an alleinerziehend. Das verleitet doch zur Klassikerfrage, mit der man auch beim dritten Kind immer rechnen muss: „War das denn geplant?“ Für mich ist es egal, ob ein Kind geplant ist oder nicht. Entscheidend ist, ob es geliebt wird oder nicht. Auf der Zunge liegt einem diese Frage aber dennoch ganz schnell. Wie denkst du über eure Situation und was macht euch als Familie aus? Wahrscheinlich nicht nur die Eigenschaften, die ich gerade aufgezählt habe.

Erstmal zur Klassikerfrage. Nein mein Kind war so gar nicht geplant. Meine Lebensplanung beinhaltete eigentlich überhaupt kein Kind, aber ich kann nicht mehr ohne meine Tochter und sie ist das Beste, was mir je passiert ist.

Wir sind mit unserer Situation eigentlich recht glücklich. Es ist nicht immer einfach, da ich mit Kind erst mein Abitur beenden musste und mittlerweile sogar studiere. Aber meine Tochter findet das super und ist total glücklich, wenn sie mal mit in die Uni darf.

Als Familie zeichnet uns wahrscheinlich aus, dass wir so viel wie möglich zusammen machen. Zum Beispiel, wenn ich für die Uni lerne, schicke ich sie nicht weg, sondern sie setzt sich dazu und „lernt“ ebenfalls. Nur eben Sachen für ihr Alter. Dazu sind wir sehr unternehmungslustig und familien- und freundebezogen. Das bedeutet bei uns auch, dass der Vater meiner Tochter so viel wie möglich mit einbezogen wird.

Wie geht deine Tochter damit um, dass sie bei ihrer Mama aufwächst und wie hat deine Familie auf die Schwangerschaft und die Trennung vom Vater reagiert? Wurdest du unterstützt oder gab es hier erstmal vorwurfsvolle Blicke und Worte?

Leider kam es schon dazu, dass meine Tochter sich im Kindergarten anhören musste, dass sie eine blöde Familie hätte, da ihr Papa nicht bei ihr wohnt. Meine Tochter antwortete darauf, dass ihr Papa natürlich jedes Wochenende da ist und sie dafür eben eine viel größere Familie hat, als die anderen Kinder, da sie ihre Oma, ihren Opa und ihre beiden Onkels hat. Mit denen verbringen wir sehr viel Zeit und sie unterstützen mich, wenn bei mir die Uni mal länger geht.

Meine Familie war übrigens im Großen und Ganzen sehr begeistert, als sie erfuhren, dass ich schwanger bin. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie ich meine Zukunft und Kind unter einen Hut bekomme und alle wollten unbedingt helfen und so nah wie möglich dabei sein. Die Trennung vom Vater wurde erstaunlicherweise mit Begeisterung aufgenommen, da es anfangs Probleme mit ihm gab und er sehr überfordert war. Nach der Trennung klappte alles viel besser und er versteht sich mittlerweile mit der ganzen Familie und das Wichtigste, auch immer besser mit seiner Tochter.

Welches Vorurteil hat dich bisher am härtesten getroffen und von welcher Person kam dieses?

Am schlimmsten find ich es, wenn man mit Teenie-Müttern aus dem Fernseher verglichen wird oder die Leute davon ausgehen, dass ich weder mit meinem Kind klar komme noch eine vernünftige Schulbildung haben kann. Die urteilen über uns, ohne uns zu kennen oder auch nur irgendwas über uns zu wissen. Anfangs war ich echt verwundert, wie viele Leute so denken und urteilen. Wir wurden schon sehr oft angesprochen von wegen ich sollte sie doch lieber abgeben und erstmal einen Schulabschluss machen. Man muss dazu aber auch sagen, dass ich sehr jung aussehe und nicht auf 23 Jahre geschätzt werde. Bei Bekannten, Freunden oder Familie bin ich noch nie auf Vorurteile gestoßen.

Gibt es ein Vorurteil oder mehrere, die du hier gerne wiederlegen möchtest? Eines das dich zum Beispiel am meisten nervt?

Am meisten nervt mich, wie schon erwähnt, dass junge Mütter oft als schlechte Mütter abgestempelt werden oder ihnen nachgesagt wird, keinen Schulabschluss zu haben oder sogar dumm zu sein.

Dazu kann ich nur sagen, dass ich mein Abitur mit Kind in Angriff genommen und bestanden habe. Außerdem studiere ich mit Kind und sehe, dass das klappen kann. Klar braucht man vor allem viel Kraft und Durchhaltevermögen. Aber wenn man etwas will, dann schafft man es auch.

Und zum Thema schlechte Mutter: Ich denke nicht, dass dies vom Alter der Mutter abhängig ist und daher finde ich das Vorurteil total bekloppt und daneben. Es gibt sowohl gute, als auch schlechte junge Mütter. Aber es gibt auch bei älteren Müttern gute und schlechte.

Gibt es Situationen in denen du besonders viel Angst oder Respekt davor hast, was dein Gegenüber von dir denkt? Wann ist das?

Anfangs hatte ich oft in der Öffentlichkeit Angst, weil wir oft angesprochen wurden und die Blicke hier sehr aussagekräftig waren. Wenn meine Tochter dann gezickt oder geweint hat, war das schon sehr unangenehm. Aber mittlerweile nehme ich das gar nicht mehr so wahr. Ich steh dazu eine junge Mutter zu sein und weiß, dass ich nicht so bin, wie die Vorurteile einen darstellen lassen. Mittlerweile hat sich die ganze Situation verändert und ich geh viel gelassener damit um. Schließlich weiß ich, dass meine Tochter freundlich, höflich und einfach nur super ist.

Was möchtest du anderen mit auf den Weg geben, die ebenfalls in keine Schublade so richtig rein passen und viel gegen Vorurteile ankämpfen müssen?

Ja die lieben Schubladen… Jeder der damit zu kämpfen hat, dem würde ich raten erstmal selber nicht mehr so zu denken. Wenn man selber in Schubladen denkt, fällt einem selber viel stärker auf, dass man nicht rein passt und so bekommt man die negativen Reaktionen von anderen viel stärker mit, da man darauf mehr achtet. Steht dazu wie ihr seid und lasst alle reden. Ihr wisst am besten, wie es bei euch ist.

4 Kommentare

  1. Erwischt! Das hab ich tatsächlich auch schon gedacht: dass so junge Mütter doch noch gar nicht in der Lage sind ein Kind zu erziehen! Allerdings habe ich da auch eher an meine Jugend gedacht- ich glaube nicht, dass ich das mit 18 gewollt hätte!

    Daher großen Respekt vor Deiner Interviewpartnerin, die ganz offensichtlich trotz Kind an ihre Zukunft denkt und Schule und Ausbildung nicht vernachlässigt! Hut ab, dass sie das alles schafft! Und alles Liebe weiterhin!

  2. Der letzte Absatz ist mega!

    Ich wollte immer eine supersupersuper junge Mutter sein und muss mich mehr und mehr von dem Wunsch verabschieden, weil ich einfach mit Studium und Karriere länger brauchen werde. Das macht mich manchmal traurig.

    Ich glaube, dass junge Mütter oft mehr Energie haben, selbst noch gerne kindisch sind und vieles gelassener nehmen. Dafür sind ältere Mütter sicher oft gefestigter und damit in anderen Bereichen entspannter.
    Aber das ist Statistik und eine subjektive noch dazu. Über den einzelnen Mensch sagt es nichts aus.

    Am Ende gibt es weder den richtigen Zeitpunkt noch das richtige Alter. Und eine „gute Mutter“ per se gibt es auch nicht. Jedes Kind ist schließlich anders und egal in welchem Alter man ist: Kinder sind sicher immer eine neue Herausforderung.

    Übrigens: Ich habe auch großen Respekt vor deiner Interviewpartnerin – aber nicht mehr oder weniger als vor jeder anderen Mutter auch!

    Schöne Artikel-Idee!

    Liebe Grüße,
    Vera

  3. Liebe Christiane,
    vielen Dank für das Interview. Ich lese so gerne über junge Mütter und ihre Erfahrungen, weil meine Geschichte kaum anderes ist (inzwischen 22 Jahre, Tochter 3, Studentin und seid kurzem auch Bloggerin). Nur bin ich mit dem Vater inzwischen verheiratet und schwebe zwischen den Lebensstandards von Anfang 20 und Anfang 30-
    Mit dem Vorurteil dumm und verantwortungslos zu sein kämpfe ich auch oft. Aber nicht, weil mir die Leute das ins Gesicht sagen, sondern weil ich immer das Gefühl habe, den anderen beweisen zu müssen, dass ich es nicht bin. Glücklicherweise bin ich bisher nur einmal „dumm angemacht“ worden und das war so lächerlich, dass ich einfach nur den Kopf schütteln konnte: Wir waren als Familie (Mein Mann, meine Tochter und ich) unterwegs und ich wurde nicht nur gefragt, ob das meine Tochter sei, sonder auch, ob sie bei mir wohnen würden und ob sie überhaupt einen Papa hat (ER STAND DIREKT NEBEN UNS!).
    Viel öfter begegnet mir aber Respekt und Bewunderung, die ich natürlich gerne annehme. Wie auch hier in den Kommentaren höre ich im Studium oder auch in den Praktika: „Wow, Respekt das du das schaffst.“, „Für mich wäre das nichts gewesen“ oder einfach „Nicht schlecht.“
    Ich finde, das überdeckt die Vorurteile und gibt mir jedes Mel neuen Mut.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    • StyleMom sagt

      Liebe Kathrin,

      es ist schön zu hören, dass du kaum mit Vorurteilen in Berührung kommst. Und diese paar negativen Ausreißer muss man ignorieren. Vor allem, wenn sie so dumm daher kommen 😉 Liebe Grüße Christiane

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