Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Mein Weg in die Selbstständigkeit: Urlaub als Business

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneurs ihre Erfahrungen weitergeben können, erzählen sie uns von ihrem Mut. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Claudias Business macht direkt Lust auf Urlaub. Sie hat das Online-Portal fincas.de von Ihrem Vater übernommen und hat sich so direkt nach der Elternzeit selbstständig gemacht. Eine tolle, übersichtliche Seite für alle, die gerne Urlaub in einer Finca machen wollen.

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du sie in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Eigentlich habe ich nach der Elternzeit einen geregelten Halbtagsjob gesucht, aber dann kam alles anders… Mein Vater, Gründer von fincas.de, wollte das Vermittlungsportal verkaufen. Der ursprüngliche Käufer, mit dem er deswegen im Gespräch war, ist jedoch Anfang 2013 abgesprungen. Dies fiel genau in die Zeit nach meiner Elternzeit. Ein Schicksalswink? So habe ich es jedenfalls verstanden.

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Die Plattform fincas.de besteht bereits seit 1998 und hat enorm viel Potenzial – nicht nur für die Baleareninsel Mallorca sondern auch darüber hinaus. Außerdem wollte ich das Kerngeschäft, der Vermittlung von Fincas und Ferienhäusern, um weitere Services für den Kunden erweitern, damit sich dieser noch besser bei uns aufgehoben fühlt. Die Fincas haben wir verschiedenen Urlaubsmottos zugeordnet, damit Familien, Paare, Wanderer, Radfahrer, Golfer u.a. noch schneller ihre Traumfinca finden. Seit diesem Jahr bauen wir zudem den Markt für Menorca neu auf. Menorca ist nämlich nicht nur die kleine Schwester von Mallorca, sondern bietet Ruhe, Gelassenheit, tolle Wanderwege und traumhafte Buchten.

Die Marke fincas.de bietet mir sehr viel Raum zur Weiterentwicklung, dass ich mir oft mehr als die gegebene Zeit dafür wünsche!

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

1. Finden eines passenden Programmierers
2. Einarbeiten in das Thema Internetseite, indem ich u.a. das Buch „Websiteboosting 2.0“ gelesen habe. (Ich bin eigentlich gelernte Bankkauffrau und muss mich sukzessive in die Touristik und das Internet neu reinarbeiten.)
3. Finden einer Agentur, die mich beim Layout & Logo unterstützt und einfach einen fachkundigen Blick auf meine Ideen wirft.
4. Steuerberatermeinungen einholen, welche Rechtsform für mich/ die Firma richtig ist.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Ich hatte das Glück, die richtigen Leute an meiner Seite zu haben. Zunächst waren das in erster Linie mein Vater und der bisherige Programmierer. Die haben mich dann in die bestehenden Logiken eingearbeitet.

Anschließend waren es vor allem die neuen Programmierer, die gleichzeitig meine Mentoren wurden. Gleiches gilt für die Kommunikationsagentur. Die beiden letztgenannten waren vor einigen Jahren selbst Gründer und konnten sich so in meine Situation hineinversetzen.

Anfang 2015 bin ich auf Gründerinnen Consult gestoßen, habe am Gründungswettbewerb von Hannover Impuls teilgenommen (dies war eine gute Möglichkeit für Review, Status Quo und Ausblick sowie Feedbackmöglichkeiten, die ich dadurch bekam) und nehme nun an verschiedenen Netzwerktreffen statt, um mich mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Und nicht zuletzt war und ist mein Mann regelmäßig meine mentale Stütze und gibt mir beizeiten meinen Optimismus zurück.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Meine Anfangsfinanzierung lief über Eigenkapital und Privatkredite. Ich bin froh, dass das Gros über Eigenkapital abgedeckt war, denn so habe ich mich unabhängiger und freier gefühlt. Wäre die Umsetzung schief gegangen, hätte ich keine Schulden, sondern „nur“ Lehrgeld bezahlt. Diese Unabhängigkeit wünsche ich jedem Gründer, denn neben der Finanzierung gibt es so viele andere Dinge, um die man sich kümmern muss, teilweise sind die Themen ja auch ganz neu und die Einarbeitung dauert oft länger als geplant. Ich wollte jedenfalls immer möglichst unabhängig von anderen sein – finanziell und organisatorisch.

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Ich habe vor der Übernahme ein Konzept geschrieben, wie ich das Portal aufbaue, mit welchen Themen ich es erweitern möchte und wie die Kosten-Ertrags-Struktur sowie Planung aussieht. So hatte ich von Anfang an eine Vision. Zudem hilft mir das geschriebene Wort bei der Ideensammlung und Weiterentwicklung, und gleichzeitig ist es Hilfestellung beim Review (manchmal trügt das Gedächtnis eben doch…).

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Hätte ich vorher gewusst, was da auf mich zukommt – vielleicht hätte ich den Relaunch von fincas.de nicht gewagt. Heute bin ich darüber froh, denn ich habe in den letzten beiden Jahren unheimlich viel gelernt.

Aus heutiger Sicht würde ich nicht viel anders machen. Natürlich hätte ich –rückwirkend betrachtet- auf ein paar Schleifen verzichten können und das ein oder andere Detail nicht so genau beachten sollen. Trotzdem war dies in dem jeweiligen Moment oft für mich wichtig – und ich habe daraus gelernt. Mein größtes Learning ist: Nimm dir Zeit! Unter Zeitdruck (mit selbst gesetzter Deadline) haben neben mir, die Programmierer und die Kommunikationsagentur gelitten und dies hat sich natürlich auf die Stimmung ausgewirkt. In dieser Phase ist plötzlich der Spaß, der uns bisher immer begleitet hatte, abhanden gekommen. Nachdem ich die Deadline für den Relaunch dann auf unbestimmte Zeit verschoben hatte, waren auch der Spaß und die Motivation wieder da! Und wir hatten ausreichend Zeit, dass etwas Gutes dabei herauskommt. Und auf das Ergebnis bin ich heute sehr stolz!

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Den Schritt wagen, wenn man selbst davon überzeugt ist! Außerdem empfehlenswert ist es, vorab eine unabhängige Meinung einzuholen (z.B. über Gründerinnen Consult oder andere Gründungsberatungen).

Und dann:
– Themen Stück für Stück angehen und priorisieren
– Zuerst rechtliche Rahmenbedingungen klären
– Idealerweise Spearingspartner/ Mentoren suchen, um bei Entscheidungen nicht immer allein da zu stehen.
– Und manchmal lieber noch mal eine Nacht über eine Idee oder ein Konzept schlafen, bevor ihr es zur Umsetzung freigebt (insbesondere wenn Externe beauftragt werden).

Ich bin froh, dass ich nicht genau wusste, was und vor allem welcher Zeitaufwand auf mich zukam. Heute bin ich aber stolz zu sehen, wo ich schon stehe, und was mir heute ganz leicht von der Hand geht (und was am Anfang undenkbar war…).

Mut tut gut! Also packt es an! Viel Erfolg!

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