Mom at work
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Mom at work: Nach der Elternzeit als Coach in die Selbstständigkeit

Cornelia wollte nach Ihrer Elternzeit eigentlich wieder zurück in Ihren Job. Diese Rückkehr ist Ihr jedoch verwehrt geblieben. Zum Glück, wie Cornelia heute sagt.

Wie lange warst du in Elternzeit? War die Dauer eine bewusste Entscheidung?

Nach der Geburt meiner erstgeborenen Tochter war ich knapp zwei Jahre in Elternzeit. Meine jüngere Tochter war knapp ein Jahr, als ich eine Weiterbildung begonnen habe, die die Basis für meine Selbständigkeit ist.

Was ist dein momentaner Job?

Ich bin seit acht Jahren Coach und Trainerin und begleite insbesondere Frauen dabei, ihre beruflichen Ziele zu erreichen und Wünsche zu verwirklichen sowie mit Paaren an einem gelingenden, modernen Familien-Management :-).

Hast du diesen Job ursprünglich gelernt und passt er zu deinen Qualifikationen?

Ursprünglich bin ich Kauffrau und Volkswirtin, war dann in der Werbung und im Marketing tätig. Die Dinge haben sich stets gut gefügt. Mein Coaching- und Trainings-Know-how habe ich mir in verschiedenen Aus- und Weiterbildungen erarbeitet. Das, was ich heute mache, hat somit nichts mehr mit dem zu tun, was ich ursprünglich mal gelernt habe. Heutzutage jedoch ist das lebenslange Lernen und damit eine Weiterentwicklung – auch hin zu völlig neuen Inhalten – das spannende an Biografien.

Gibt es einen besonderen Grund oder Auslöser, warum du nicht mehr beim gleichen Arbeitgeber wie bereits vor der Schwangerschaft arbeitest?

Geplant war damals eigentlich ein Jahr (meine erste Tochter ist 13, die zweite 9). Mein Arbeitgeber konnte mir damals jedoch keine Tätigkeit anbieten, die interessant und machbar gewesen wäre. Ich war vorher Marketing-Leiterin und oft tageweise im Ausland. Der Posten war natürlich weg. Zudem hatte ich eine Anfahrtszeit von einer Stunde in die Firma. So folgte eine Zeit der Umorientierung. Aus heutiger Sicht hätte ich damals anders verhandeln und fordern können. Aber dann wäre ich vermutlich nicht in meinem jetzigen, wunderbaren Beruf angekommen :-).

Du hast dich für die Selbstständigkeit entschieden, die ja auch für „ständig und selbst“ steht. Warum hast du diesen Schritt gewagt und was ist für dich der Vorteil gegenüber der Festanstellung?

Bis vor zwei Jahren war ich in Teilzeit als Coach und Trainerin erwerbstätig und die Freiberuflichkeit war ein Nebenerwerb. Das passte gut in die Lebensphase und zu unserem Familien-Management. Mittlerweile bin ich zeitlich sehr viel freier, da die Mädchen „sich zunehmend selbst managen können“ und auch mein Mann mit seiner Selbständigkeit flexibler ist. Die Vorteile sind – selbstbestimmtes Arbeiten, flexible Zeiteinteilung und die Möglichkeit, Ideen ausprobieren zu können. Allerdings – das kollegiale Miteinander – das fehlt manchmal!

In wie fern decken sich deine Erwartungen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Job vor der Geburt mit der Realität, die sich dann erst im Alltag gezeigt hat?

Ganz ehrlich – mit Hinblick auf meine damaligen Vorstellungen wenig! Ich hatte es mir viel einfacher vorgestellt einen Arbeitgeber zu finden, der meine Erfahrungen braucht und mir zudem eine familienfreundlichere Arbeitszeit anbieten kann (und das bedeutete damals rund 28 Stunden pro Woche ohne Fliegerei). Ungläubig war ich, als ich – habe nachgefragt – aus dem Rennen war, weil ich überqualifiziert war und man argwöhnte, ich würde entweder nicht lange bleiben oder in Konkurrenz zu einem jüngeren Vorgesetzten stehen. So habe ich recht schnell Pan B entwickeln müssen, was aus heutiger Sicht ein Glücksgriff ist. Vereinbarkeit von Familie, Beruf und ICH gelingt meines Erachtens dann, wenn das Elternpaar an einem Strang zieht, man sich gut abgrenzen kann und recht diszipliniert eines zur Zeit macht. Anstrengend wird es immer dann, wenn ich mir verschiedene Hüte zur gleichen Zeit aufsetze (Wichtiges im Home Office, Kinder Zuhause mit dem dringenden Bedürfnis nach Zuwendung etc.). Und ich habe aufgehört damit, immer alles perfekt machen zu wollen. Das klappt nicht. Und stresst vollkommen unnötig!

Als Coach in die Selbstständigkeit nach der Elternzeit

Ist dein Job gut mit der Familie zu vereinbaren oder ist es eher schwierig?

Das geht ganz wunderbar! Ich arbeite Zuhause und an verschiedenen Orten. Und wenn ich lange Tage habe, an denen die Mädchen nachmittags Chauffeurdienst o. ä. brauchen oder mal nicht schulfähig sind, dann gibt es einen einsatzfreudigen Vater, der sich auch zuständig fühlt sowie ein gutes, verlässliches Netzwerk. Nicht zuletzt – mittlerweile managt sie die Zeit Zuhause auch gut ohne ihre „Watchdogs“.

Wie schaffst du den Spagat zwischen deiner Familie und deinem Job?

Ich schaffe das nicht immer. Es gibt Phasen, da wünsche ich mir, das Eine oder das Andere in Ruhe und konzentriert bedienen zu können. Aber es geht mittlerweile meistens ganz gut. Ich habe feste Zeiten und erlaube mir einen, manchmal zwei Abende in der Woche am Schreibtisch. Wir sind gut organisiert. Und die Kinder mussten lernen, dass sie zwei in einem Vierer-Team sind, die ihren Beitrag zu leisten haben. Außerdem habe ich eine klare Haltung dazu, dass das Familien-Management nicht meine Aufgabe, sondern die von meinem Mann und mir ist. Wir haben darin unterschiedliche Schwerpunkte. Und Auszeiten helfen mir dabei. Als Spagat empfinde ich es seltener. Eher als Erfüllung und eine ständige Herausforderung. Das Ausbalancieren bedeutet eben, dass zeitweise der Job bzw. die Familie (und ich) den Schwerpunkt bilden.

Wie regelt ihr das, wenn die Kinder krank sind?

Die Betreuung bei Krankheit ist ein Potpourri aus Mutter, Vater, Großeltern, Freunden in Abwägung der Krankheit und der beruflichen Erfordernisse. Und manchmal haben mein Mann und ich uns nachmittags dabei die Klinke in die Hand gegeben. Erst vor kurzem war unsere ältere Tochter mit einer leichteren Krankheit einen Tag allein Zuhause. Sie wusste, dass wir erreichbar sind. Und es war für alle ok. Zum Glück haben wir sehr selten solche Situationen. Da wir beide keine Arbeitgeber mehr haben, können wir damit vergleichsweise stressfrei umgehen und uns auch mal ohne Druck für das Kümmern entscheiden, die Arbeit abends oder am nächsten Tag nachholen. Es gab zwei Mal echte Ausnahmesituationen – es geht am Ende immer irgendwie. Und darauf kann man stolz sein!

Hast du abschließend noch einen Tipp für andere Mütter, die bei der Jobsuche oder im Alltag mit Kind und Job oft verzweifeln? Was glaubst du funktioniert bei euch besonders gut?

Es mag komisch klingen: Wir haben unsere Nicht-Eltern-Bedürfnisse meistens und zunehmend im Blick behalten. Unsere Beziehung, Hobbies, Freunde und Auszeiten. Ich kämpfe selten mit einem schlechten Gewissen. Und ich habe gelernt, dass manchmal nicht alles zur gleichen Zeit möglich ist.

Für die Jobsuche möchte ich Frauen mit auf den Weg geben: Sucht nach Lösungen, fokussiert nicht die Probleme, positioniert euch klar gegenüber euren Partnern, Kindern und Arbeitgebern. Ich habe bereits rund 350 Frauen begleitet, die nach der Elternzeit wieder in den Beruf zurückkehren wollten – die größten Stolpersteine waren das Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen, der Anspruch, den „Spagat“ alleine meistern zu müssen und auf allen Kanälen zu 100% funktionieren zu können. Es geht nicht. Oder der Preis ist hoch! Und unsere Kinder lieben ihre Mütter (Eltern) nicht weniger, nur weil diese auch ihre egoistischen Bedürfnisse erfüllen. Im Gegenteil, sie lernen, dass es wichtig ist, sich selbst gut zu tun.

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