Interviews, Mom at work
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Mom at work: Schauspielerin Saralisa Volm im Interview

In der Interviewreihe „Mom at work“ setzen sich Mütter mit der Rückkehr in den Job nach der Elternzeit auseinander. Jede Woche berichtet eine neue Mutter über ihre persönlichen Erfahrungen, die sie gemacht hat. Die sind bei den einen positiv, bei den anderen negativ und bei einigen leider sogar erschütternd.

Diese Woche berichtet die Schauspielerin, Regisseurin, Buchautorin und Bloggerin Saralisa Volm über Ihre Rückkehr in den Job. Wenn man es genau nimmt, hat Saralisa gar keine Babypause gemacht, denn wenn man selbstständig ist, kann man sich das nicht wirklich erlauben. Vor allem wenn man wie sie bereits jung Mutter wird und in seinem Beruf noch nicht richtig etabliert ist. Saralisa lebt mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann in Berlin.

Wie lange warst du in Elternzeit? War die Dauer eine bewusste Entscheidung?

Genaugenommen war ich nie in einer handelsüblichen Elternzeit. Ich war schon immer selbstständig und beim ersten Kind arbeitete ich gerade intensiv an meinem Bachelor. Da lag ich dann mit Baby im Bett, stillte und wälzte parallel Fachliteratur. Beim zweiten Kind drehte ich nach vier Monaten wieder einen Kurzfilm, wenn auch nur für wenige Tage. Mein Leben ist in dieser Hinsicht sehr flexibel. Ich nehme einen Säugling auch mal mit zu einer Besprechung, oder die Kinder wuseln durchs Produktionsbüro. Anders wäre es gar nicht möglich. Bei unseren unkontrollierbaren Arbeitszeiten müssen wir immer kreative Lösungen finden.

Du bist als Schauspielerin, Produzentin, Bloggerin und Buchautorin tätig. Wie schaffst du den Spagat zwischen deiner Familie und deinem Job?

Irgendetwas bleibt immer liegen… In unserem Fall vor allem Wäsche, Post und Spielzeug. Ich denke die meisten Familien stecken in dieser Vereinbarkeitsfalle und scheitern oftmals an den eigenen Ansprüchen. Ich begreife das Spagat jedoch als Chance. Ein Leben ohne Kinder ist für mich persönlich überhaupt nicht vorstellbar und ohne meinen Beruf würde ein Teil meiner Identität verloren gehen. Die Herausforderungen die sich daraus ergeben zwingen uns Lösungen zu finden und dann freue ich mich, wenn es klappt.

Wie regelt ihr das, wenn die Kinder krank sind? Habt Ihr Familie und Freunde in der Nähe, die auch mal einspringen können?

Ich arbeite viel von zu Hause, sie können dann also oftmals bei mir bleiben. Für außer Haus Termine, die ich nicht verschieben kann oder will springt dann ein Babysitter ein. Bin ich in einer anderen Stadt oder den ganzen Tag unterwegs macht mein Mann einen Home-Office-Tag. Wir ergänzen uns da meistens ganz gut und müssen dann priorisieren, wer die wichtigeren Termine hat. Meine Familie hilft zwar gerne aus, ist aber viel zu weit weg um spontan einspringen zu können.

Ich kann mir vorstellen, dass du von den Übermuttis öfters mit strafenden Blicken oder dummen Kommentaren gestraft wirst, weil du zu viel arbeitest, deine Kinder zu viel umher reichst und ja eigentlich nur eine Teilzeitmama bist. Wie gehst du damit um?

Ich kenne gar nicht so viele Übermuttis, die mich persönlich kritisieren. Manchmal hört man so etwas von Dritten, aber das tangiert mich nicht sonderlich. Meine Freunde und Bekannten haben zum Teil gar keine Kinder, sind selbst ähnlich beruflich aktiv oder unterschiedlichen Lebensstilen gegenüber offen eingestellt. Für mein Buch Mamabeat habe ich einige dieser Frauen portraitiert und auch meine Familie beschrieben. Hier waren die Frauen auch alle berufstätig. Bei meiner Großmutter gab es damals sogar nur sechs Wochen Mutterschutz, dann musste sie zurück in den Beruf. Die Kinder wurden dann von Verwandten betreut.

Schaffst du es zeitlich, dass deine Kinder nachmittags noch zu Kinderkursen gehen oder werden die überbewertet?

Ich denke das kommt auf das Kind an. Es gibt Bolzplatzkinder, die sowieso den ganzen Nachmittag draußen rumrennen und es gibt Kinder die am liebsten alleine malen oder lesen. Wir haben ein sehr musisches Kind, das auch mehrere Kurse besucht, die ihm sehr viel Freude bereiten. Das könnten wir zu Hause gar nicht bieten. Aber natürlich sind wir oft überfordert diese Termine auch einzuhalten. Ich hoffe allerdings, dass meine Kinder in der Grundschule dann selbstständig genug sind, um alleine zu ihren Kursen zu gehen.

In wie fern decken sich deine Erwartungen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Job vor der Geburt mit der Realität, die sich dann erst im Alltag gezeigt hat?

Ich hatte sehr viel Angst vor dem ersten Kind, da ich beruflich überhaupt nicht etabliert war. Ich war 23 als ich schwanger wurde und wusste nicht, wie gut mein Mann und ich uns aufteilen könnten, denn auch er ist beruflich sehr eingespannt. Im Endeffekt habe ich festgestellt, dass Loslassen und um Hilfe bitten für mich die richtigen Rezepte sind. Dadurch habe ich die Freiheit und die Kapazität ein Leben mit Kindern zu führen, dass sich auch noch um andere Dinge dreht.

Hast du abschließend noch einen Tipp für andere Mütter, die bei der Jobsuche oder im Alltag mit Kind und Job oft verzweifeln? Was glaubst du funktioniert bei euch besonders gut?

Mein Tipp? Durchhalten und sich nicht entmutigen lassen. Ich glaube alle Eltern haben diese miesen Tage, an denen man unzufrieden ist mit der beruflichen Entwicklung oder die Kinder zum ungeeignetsten Zeitpunkt Fieber bekommen. Da muss man sich vor Augen halten, dass es auch wieder besser wird und weitermachen.

Du hast auch eine Geschichte und möchtest sie mit vielen anderen Müttern teilen? Dann melde dich einfach per E-Mail bei mir.

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