Mom at work
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Mom at work: Online-Redakteurin beim Öffentlich Rechtlichen

Sonja arbeitet in der Online-Redaktion eines öffentlich rechtlichen Radiosenders und ist hier in eine 50%-Stelle zurückgekehrt. Für ihr Team war dies überhaupt kein Problem, die Führungsetage sah dies jedoch etwas anders. Neben Ihrer Festanstellung macht Sonja sich nun als Journalistin selbstständig. So ist Sie freier in Ihren Entscheidungen und Ihrem Handeln.

Wie lange warst du in Elternzeit? War die Dauer eine bewusste Entscheidung?

Ich habe ein Jahr Elternzeit genommen. Die Entscheidung war bewusst gewählt. Ich hatte mich in den Jahren davor intensiv um meine Karriere gekümmert und habe mich sehr auf diese Auszeit und die neue Aufgabe gefreut. Zum Ende hin wurde es mir aber dann doch etwas lang und ich fing zwei Monate eher als geplant an, meine Selbstständigkeit (in Teilzeit) vorzubereiten und schon kleinere Projekte zu übernehmen.

In welcher Position arbeitest du momentan?

Ich bin auf meine alte Stelle als Teamleiterin zurückgekehrt. In 50 % Teilzeit. Das ging nur, weil sich einer meiner Vorgesetzten extrem dafür eingesetzt hat. Im Hintergrund gab es wohl einige Vorbehalte dagegen, mich in Teilzeit zurückzuholen. Aus dem Team übrigens nicht. Nur aus der Führungsetage. Dort hat man mich auch vor die Wahl gestellt. 50 % oder 100% arbeiten. Ich hätte gern 75% oder ähnliches gemacht. Aber die Argumentation war, dass man da ja ganz schlecht jemanden findet, der die restlichen 25 % dann übernimmt. Die Stimmung im Team war übrigens sehr positiv und meine Mitarbeiter unterstützen mich total.

Hast du diesen Job ursprünglich gelernt und passt er zu deinen Qualifikationen?

Ja. Ich bin studierte Journalistin und habe mich während des Studiums auf Online spezialisiert. Nun leite ich das Onlineteam eines Radiosenders.

Bist du noch beim gleichen Arbeitgeber wie bereits vor der Schwangerschaft?

Ja.

Du hast dich neben deiner Festanstellung auch noch für die Selbstständigkeit entschieden, die ja auch für „ständig und selbst“ steht. Warum hast du diesen Schritt gewagt und was ist für dich der Vorteil gegenüber der Festanstellung?

Ich wollte schon immer mein eigener Chef sein. Ich liebe es selber die Fäden in der Hand zu halten und Entscheidungen zu treffen. Außerdem habe ich oft ein Problem mit Autoritäten. Es war also schon zu Beginn meiner Elternzeit (eigentlich schon zu Beginn meines Studiums) mein Wunsch mich selbstständig zu machen. Irgendwann möchte ich gern komplett davon leben. In Teilzeit hier einzusteigen war für mich einfach die sicherere Variante, da meine Sozialversicherungen etc erstmal darüber abgedeckt sind und ich nicht so einen Druck habe mehr Aufträge zu generieren. Ich merke aber immer wieder, dass ich diese Art des Arbeitens liebe und setze alle Hebel in Bewegung das irgendwann nur noch machen zu „müssen“. Mein anderer Job ist auch toll, aber ich muss täglich 160 km pendeln, ich sitze in einem Großraumbüro und ich arbeite in einem riesigen großen Betrieb (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk), der oft sehr behäbig ist und dessen Strukturen ziemlich verkrustet sind. Zuhause bin ich schneller, effizienter, kann innovativere Projekte umsetzen und – ein riesiger Vorteil – meine Zeit frei einteilen. Es gibt keine Präsenzpflicht. Es zählt das Ergebnis meiner Arbeit. Das finde ich irgendwie gerechter.

In wie fern decken sich deine Erwartungen vor der Geburt mit der Realität, die sich dann erst im Alltag gezeigt hat?

Ich habe einen tollen Mann, der sich sehr engagiert in der Kindererziehung und auch begeistert Papamonate genommen hat, während ich gearbeitet hab. Trotzdem hätte ich nicht erwartet, dass die Hauptverantwortung bei kleinen Kindern so sehr bei den Müttern liegt. Mein eigener Vater war damals ebenfalls zuhause für einige Jahre und meine Mama hat gearbeitet. Ich bin also mit einem Modell groß geworden, das heute immer noch viele für total exotisch halten. Ich hätte gedacht, dass sich in 30 Jahren mehr geändert hat.

Ist dein Job gut mit der Familie zu vereinbaren oder ist es eher schwierig?

Da ich ja momentan Teilzeit arbeite, ist die Vereinbarkeit gut. Allerdings bin ich auch erst diesen Monat frisch zurückgekehrt. Ich kann also keine Prognose über meine Karrierechancen in dem Betrieb machen. Aber wie oben gesagt, ist mein Traum ja ohnehin irgendwann komplett selbstständig zu sein. Natürlich verzichte ich zu Gunsten der Vereinbarkeit auf einen erheblichen Teil eines sehr guten Gehaltes. Das ist schon ein kleiner Wehrmutstropfen. Ich genieße es aber viel zu sehr die Nachmittage mit meiner Tochter zu verbringen. Und da die Arbeitszeiten in meinen Betrieb sehr starr sind, hätte ich sonst bis 18 Uhr abends arbeiten müssen. Das wäre keine Option für mich.

Wie schaffst du den Spagat zwischen deiner Familie und deinem Job?

Bisher ganz gut, da ich ja wie gesagt die Nachmittage frei habe. Auch habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn meine Kleine in der Krippe ist. Sie geht in eine Waldorfkrippe und dort ist der Betreuungsschlüssel traumhaft und die Atmosphäre wahnsinnig behütet. Allerdings merke ich selber, dass die doppelte Belastung mich trotzdem körperlich sehr fordert. Ich nehme alle Kinderkrankheiten und Erkältungen extrem mit und war gerade mehrere Wochen stark erkältet. Bis meine Ärztin mir eine Standpauke gehalten und mich zu einer Ruhepause verdonnert und den Rest der Woche krankgeschrieben hat. Man hat halt doch sehr viel um die Ohren und ich muss lernen, mir selber Ruhepausen zu gönnen und nicht noch immer meine freien Aufträge zu bearbeiten, wenn das Kind im Bett ist.

Wie regelt ihr das, wenn eure Tochter krank ist?

Wir klären, wer gerade besser zuhause bleiben kann und machen das dann. Wir haben keine Großeltern in der Nähe wohnen, also sind wir selber gefragt.

Hast du abschließend noch einen Tipp für andere Mütter, die bei der Jobsuche oder im Alltag mit Kind und Job oft verzweifeln? Was glaubst du funktioniert bei euch besonders gut?

Gelassenheit, Gelassenheit, Gelassenheit. Bei uns bleibt der Haushalt oft auf der Strecke. In der Zeit spielen wir lieber oder unternehmen etwas mit unserer Kleinen. Ich finde es gibt Wichtigeres als putzen. Man kann ruhig sehen, dass hier gelebt wird. Und wenn es morgens fünf Minuten länger dauert, bis alle in der Krippe oder Arbeit sind, dann ist das halt so. Die Kollegen stehen auch ständig im Stau. Da hab ich ein dickes Fell und stresse mein Kind nicht. Die Zeit, die wir haben, wollen wir schließlich auch genießen.

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