Mom at work

Mom at work: Erholung im Job

Julia (30) lebt mit ihrem Mann, ihrem vierjährigen Sohn Jannis und der zweijährigen Tochter Janne in der Nähe von Dresden. Nach der Elternzeit ist Julia in ihren alten Job zurück gekehrt, hat aber relativ schnell gewechselt, da sie sich dort nicht mehr willkommen gefühlt hat. Nun arbeitet sie im öffentlichen Dienst und sieht ihren Job genauso wie ich als ihre persönliche „Auszeit“.

Wie lange warst du in Elternzeit? War die Dauer eine bewusste Entscheidung?

Ich war bei meinem Sohn, der 2011 geboren ist, 18 Monate in Elternzeit. Dann bin ich in Elternzeit wieder schwanger geworden, war also nur 3 Monate arbeiten und bin mit meiner Tochter, die 2013 geboren ist, 21 Monate in Elternzeit gewesen. Bei beiden Kindern war das eine sehr bewusste Entscheidung. Beim Großen haben mich viele „vorgewarnt“ das 1 Jahr Elterzeit zu kurz ist und darum hab ich mich für 1,5 Jahre entschieden Bei der Kleinen wollte ich dann noch mehr Zeit zur Eingewöhnung in der Kita haben, um auch die anfängliche Infektanfälligkeit gerade im Winter noch gut abfangen zu können.

In welcher Position arbeitest du momentan?

Ich bin Angestellte im öffentlichen Dienst.

Hast du diesen Job ursprünglich gelernt und passt er zu deinen Qualifikationen?

Ja, es ist mein Beruf den ich studiert habe.

Bist du noch beim gleichen Arbeitgeber wie bereits vor der Schwangerschaft?

Ja und Nein 😉 Ich habe nach der Elternzeit wieder beim alten Arbeitgeber angefangen, aber nun nach Schwierigkeiten den Arbeitgeber gewechselt.

Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Ich habe nach 2,5 Monaten gewechselt, weil zum einen mein Arbeitsweg sehr weit war (je 1 h Fahrt) und weil ich von meinen Vorgesetzten nach der Elternzeit nicht gut empfangen wurde. Ich fühlte mich unerwünscht und als Last, da ich nur noch halbtags da war und mit den Arbeitszeiten nicht mehr flexibel war. Ich hatte die Aufgaben einer 40-Stunden-Stelle zu bearbeiten. Dies ist in meinem Beruf nicht vertretbar. Ich hab mit Menschen in schwierigen Situationen gearbeitet und zusätzlich Garantenstellung, das bedeutet, dass jeder Fehler mir auch persönlich zum Verhängnis geworden wäre. Außerdem fiel es mir auch sehr schwer, als Mama mit dem erlebten in meinem Beruf umzugehen, da ich mit meinen Kindern viel emotionaler geworden bin.

Wie bist du an deinen neuen Job gekommen und gab es besondere Hürden die du nehmen musstest?

Durch eine Initiativbewerbung. Ich habe intensiv gesucht und mich beworben. Besondere Hürden sind im Moment nur, dass es eine befristete Stelle ist und natürlich wieder die Arbeitszeiten beziehungsweise der „Neid“ der Kollegen auf diese. Ich darf mir als einzige in meinem Team meine Zeit frei einteilen, weil ich Projektarbeit mache.

In wie fern decken sich deine Erwartungen vor der Geburt mit der Realität, die sich dann erst im Alltag gezeigt hat?

Eigentlich decken sich die Erwartungen im groben. Die Realität hat mir nur sehr verdeutlicht, dass die Arbeit in den Hintergrund getreten ist und meine Kinder ganz klar an erster Stelle stehen. Ich hätte aufgrund meiner Vorerfahrung, was das Bewerben auf eine Job angeht nicht erwartet, dass man mit Kindern doch so schnell vom Tisch ist. Naja und jeder ist auch in einem noch so guten Team ersetzbar! Aus den Augen aus dem Sinn…

Ist dein Job gut mit der Familie zu vereinbaren oder ist es eher schwierig?

Mein Job ist gut vereinbar.

Wie schaffst du den Spagat zwischen deiner Familie und deinem Job?

Ich habe bereits beim Bewerbungsgespräch ganz klar deutlich gemacht, dass ich mir meine Zeit frei einteilen möchte. Dadurch gelingt es denke ich gut. Schwierig ist es eher in der Hinsicht, dass mein Mann nun auch einiges mit machen muss was die Kinder angeht. Er ist dann schnell überfordert. Dadurch hab ich immer das Gefühl alles so einrichten zu müssen, dass ich es allein machen kann. Meine Kinder haben keine Einschränkungen was die Familienzeit angeht. Ich hole sie wie immer aus der Kita und verbringe den Nachmittag mit ihnen. Der Haushalt leidet dagegen sehr 😉

Wie regelt ihr das, wenn die Kinder krank sind?

Wir versuchen es uns zu teilen. Einer geht vormittags wichtige Sachen erledigen und der andere geht dann nachmittags eben länger. Wir haben das Glück, dass auch mein Mann seine Zeit frei einteilen kann.

Hast du abschließend noch einen Tipp für andere Mütter, die bei der Jobsuche oder im Alltag mit Kind und Job oft verzweifeln? Was glaubst du funktioniert bei euch besonders gut?

Manchmal muss man die Dinge einfach auf einen zukommen lassen. Oftmals findet sich immer eine Lösung. Man muss sich bei einer Bewerbung auch selber klar machen, was man während der Elternzeit für Qualifikationen erworben hat. Man erledigt als Mutter täglich so viele Jobs und man lernt dadurch so viel Neues, das muss man sich und dann dem Arbeitgeber auch verdeutlichen und gut verkaufen. Auch ohne aktuelle Berufserfahrung hat man viele wichtige, im Arbeitsleben gefragte, Schlüsselqualifikationen trainiert, wie z.B. Belastbarkeit, Organisationstalent, Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Zeitmanagement. In den Agenturen für Arbeit gibt es extra eine Beratung für Mütter die wiedereinsteigen wollen. Das kann man auch nutzen, um sich selber wieder zu orientieren. Und natürlich die Väter straff mit einbeziehen und Aufgaben abgeben und mit dem Partner reden, reden und reden. Wenn die Unterstützung in der eigenen Familie fehlt ist alles gleich noch viel schwerer.
Ich sehe die Zeit die ich arbeite als Zeit für mich. Ich liebe es, eine Sache konzentriert erledigen zu können. Für mich ist der Job auch oft „Erholung“. Wenn man das so sieht, geht man auch gleich noch viel lieber arbeiten 🙂

Foto: Julia Rüffert