Interviews, Mom at work
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Mom at work: Als Grafikdesignerin in die Selbstständigkeit

Nicola ist 35 Jahre jung und lebt mit ihrer 4-jährigen Tochter und ihrem Mann zusammen in Stuttgart. Da sie als angestellte Grafikdesignerin sehr unflexible Arbeitszeiten hat, ist sie nun seit einem Jahr in diesem Bereich selbstständig und hat sich hier auf Einzelunternemen, kleine Unternehmen und Mompreneurs spezialisiert. Wer hier Hilfe braucht, ist bei Nicolas Soulful Grafic Design also genau richtig.

Wie lange warst du in Elternzeit? War die Dauer eine bewusste Entscheidung?

Ich war genau zwei Jahre in Elternzeit. Ursprünglich wollte ich für drei Jahre nur für mein Kind da sein. Nach 1,5 Jahren bekam ich Hummeln im Hintern und merkte, dass ich nicht solange aussetzen möchte und auch nicht konnte.

Was ist dein momentaner Job?

Dadurch, dass ich in einem Feld tätig bin, bei dem die meisten Frauen (mit Kindern) selbstständig sind, weil es keine variablen oder gar Teilzeit-Möglichkeiten gibt, habe ich bereits kurz vor Mutterschutz ein Existenzgründungsseminar besucht. Nun bin ich seit einem Jahr selbstständige Grafikdesignerin. Ich habe mich auf EinzelunternehmerInnen, kleine Unternehmen und Mompreneurs spezialisiert. Für sie entwickle ich Corporate Designs. Ich arbeite viel für Frauen, denn gerade die Selbstständigkeit von Frauen nimmt zu. Immer mehr Mütter gründen und diese kann ich bei Ihrem Außenauftritt visuell und konzeptionell unterstützen.
Meine Dienstleistung geht vom Logo bis hin zur Website. Außerdem arbeite ich nach wie vor für Verlage (ich habe bevor ich Mutter wurde in einem Verlag als Grafik- und Produktdesignerin gearbeitet).

Hast du diesen Job ursprünglich gelernt und passt er zu deinen Qualifikationen?

Ja. Ich habe Kommunikationsdesign studiert und mit Master of Arts in European Media abgeschlossen. Nichtsdestotrotz: Dieser Bereich entwickelt sich rasant und bist Du länger draußen, ist es schwierig wieder Fuß zu fassen. Daher immer schön am Ball bleiben ;-).

Gibt es einen besonderen Grund oder Auslöser, warum du nicht mehr beim gleichen Arbeitgeber wie bereits vor der Schwangerschaft arbeitest?

Ich war mehrere Jahre befristet und sollte entfristet werden. Dann wurde ich schwanger. Kurz danach wurde der Verlag verkauft und meinen Arbeitsplatz gibt es nicht mehr.

Du hast dich für die Selbstständigkeit entschieden, die ja auch für „ständig und selbst“ steht. Warum hast du diesen Schritt gewagt und was ist für dich der Vorteil gegenüber der Festanstellung?

Es gibt sehr wenige Teilzeit-Angebote in Festanstellung in der Medienbranche. Vollzeit heißt dort 50 Stunden und mehr. Das kann keine Mutter leisten, die ihr Kind noch sehen möchte. Es sei denn man tauscht Rollen (Papa macht Teilzeit und Mama arbeitet voll).

Der Vorteil ist in der Tat, dass ich zu jeder Zeit arbeiten kann und um meine Familie herum arbeite. Für meinen Auftraggeber ist es kein Problem, dass ich Mutter bin. Wenn mein Kind krank ist, dann kann ich trotzdem für es da sein, ohne schlechtem Gewissen gegenüber dem Chef. Allerdings muss man nacharbeiten, denn der Auftrag muss ja trotzdem fertig werden. Schön ist, dass ich arbeiten kann wo ich möchte! Bei schönem Wetter kann ich mich auch mal einfach auf den Balkon setzen. Habe ich einen Termin muss ich das vorher nicht mit meinem Arbeitgeber absprechen, sondern kann das so machen, wie ich möchte! Diese Flexibilität schätze ich sehr!

In wie fern decken sich deine Erwartungen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Job vor der Geburt mit der Realität, die sich dann erst im Alltag gezeigt hat.

Ehrlich gesagt, habe ich mir vor Geburt keine umfassenden Gedanken gemacht. Ich dachte erstmal an die wunderschöne Zeit des Mamaseins. Heute merke ich: Vereinbarkeit ist ein Drahtseilakt und nicht immer einfach zu meistern.

Ist dein Job gut mit der Familie zu vereinbaren oder ist es eher schwierig?

Jein. Ich kann zwar um die Familie herumarbeiten, aber die einzelnen Bedürfnisse bleiben schon zuweilen auf der Strecke. Hobbies, Mußezeiten, Abschalten. Gerade am Wochenende arbeite ich oft. Dann gibt es aber auch wieder Tage, an denen ich meine Tochter auch mal früher abhole und mit ihr einfach ins Freibad gehe!

Wie schaffst du den Spagat zwischen deiner Familie und deinem Job?

Wie bei vielen Selbstständigen gibt es immer wieder Spitzen mit hohem Arbeitsaufkommen. Dann ist der Tag ganz eng getaktet. Ich arbeite morgens und verbringe den Nachmittag mit meiner Tochter. Abends wird dann wieder gearbeitet. Dann gibt es wieder Zeiten, die ruhiger sind und ich mehr Zeit für die Familie finde.
Wir ziehen bald um und die Betreuungszeiten unserer Tochter ändern sich. Ich habe dann mehr Zeit für die Arbeit und hoffe, dass ich dann weniger an den Abenden arbeite.

Wie regelt ihr das, wenn eure Tochter krank ist?

Mit einem Kind ist das sicher einfacher zu handeln. Ich arbeite abends und am Wochenende nach. Es gäbe aber auch mal die Möglichkeit, dass mein Mann frei nimmt.

Hast du abschließend noch einen Tipp für andere Mütter, die bei der Jobsuche oder im Alltag mit Kind und Job oft verzweifeln? Was glaubst du funktioniert bei euch besonders gut?

Klare Absprachen treffen. Genau überlegen wann das Kind betreut werden soll (Kita) und auch zusammen überlegen, wer wann das/die Kinder nehmen kann (Bsp. Krankheit). Meines Erachtens funktioniert das NUR, wenn beide an einem Strang ziehen und beide ihren Teil zur Vereinbarkeit beitragen. Das fängt schon damit an, wer bringt morgens das Kind in den Kindergarten?

Wir führen seit kurzem einen Kalender, auf den jeder zugreifen kann. Wir tragen alle Termine ein, setzen uns zusammen und planen gemeinsam 2 Wochen vorab. So kann auch mein Mann sehen, wann ich abends arbeite und er auf jeden Fall unsere Tochter ins Bett bringt ;-).

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