Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Mein Weg in die Selbstständigkeit: Von der eigenen Magersucht zum Körperbild-Coaching

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneurs ihre Erfahrungen weitergeben können, erzählen sie uns von ihrem Mut. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Anne-Sophie hat 14 Jahre gebraucht, aus der Magersucht heraus zu kommen. Ihre Geschichte hat mich tief beeindruckt, denn Sie hat Ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Nun setzt Sie sich als Körperbild-Coach gegen ein gestörtes Verhalten zum Essen und gegen das von den Medien proklamierte zerstörerische Schönheitsideal ein. Ihre Klienten profitieren sowohl von Ihren eigenen Erfahrungen aus der Magersucht, als auch aus Ihrem Wissen aus den Coaching-Weiterbildungen.

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du sie in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Ich hatte in meiner Jugend eine Essstörung und habe erst mit 24 Jahren den Punkt erreicht, an dem ich wusste, dass ich etwas ändern muss. Langsam habe ich mich zurück ins Leben gekämpft und dabei– ganz banal – in einem Blog über meine Gefühle, Ängste und Hoffnungen geschrieben. Dadurch habe ich einen Einblick erhalten, wie viele Frauen unter dem heutigen Schönheitsbild und dem ständigen Stress, dass sie perfekt sein müssen, leiden. Somit war meine Passion geboren, das alles zu ändern. Ich hatte es satt, wie wir Frauen erniedrigt werden, unsere Lebensenergie wegwerfen, in dem wir ständig auf Diät sind und unseren Körper als Feind betrachten.

Ich habe dann zwei Ausbildungen als Coach gemacht (Martha Beck Life Coach und Eating Psychology Coach) und nebenher fleißig gebloggt, Videos gedreht, Podcasts aufgenommen und mir so eine kleine Community aufgebaut – allerdings alles ohne dafür bezahlt zu werden. Ich hatte ja Zeit, da ich nicht fähig war, zu arbeiten und habe mich somit voll und ganz in meine neue „Lebensaufgabe“ gestürzt.

Allerdings habe ich mich erst nach der Geburt meines Sohnes wirklich bereit gefühlt, diese Lebensaufgabe vollkommen in die Realität umzusetzen und mit viel mehr Energie und auch Strategie an alles heranzugehen, was dann auch zu meinen ersten profitablen Monaten geführt hat.

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Ich habe diese Geschäftsidee umgesetzt, weil ich davon überzeugt bin, dass dies etwas ist, was die Welt und besonders wir Frauen benötigen. Es liegt mir unendlich am Herzen, das Leid (und es ist tatsächlich ein großes Leid), das wir Frauen tagtäglich empfinden, zu lindern. Ich wünsche mir eine Welt ohne Diskriminierung der „Dicken“, ohne Magersucht, ohne Bulimie und ohne 7-jährige Mädchen, die sich schon Gedanken über Kalorien machen.

Um dies zu erreichen muss sich natürlich viel ändern, vor allem in der Schönheits- und Diätindustrie, aber je mehr Frauen endlich aufstehen und auch einen anderen Weg gehen, desto selbstbewusster und mächtiger werden wir und desto eher können wir auch eine große Wandlung erreichen.

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Meine ersten Schritte haben früh begonnen, in dem ich einfach vieles ausprobiert habe. Ich habe drauf los geschrieben, mein ersten eBook veröffentlicht, Online-Kurse zusammengestellt und mich sehr viel mit Menschen unterhalten. Ich bin zu einigen Konferenzen gegangen, habe online viele Kontakte geschlossen, um somit erst einmal zu sehen, was überhaupt in dieser Branche möglich ist, was ich machen kann, und wie ich ein Geschäft erfolgreich aufbauen kann.

Über die Jahre hinweg habe ich meine Website und meinen Geschäftsnamen immer wieder geändert und alles etwas feingeschliffen. Das hat bisher niemanden gestört und ich konnte somit mit dem Geschäft wachsen.

Und als mein Sohn dann da war, war ich bereit, es ernst zu nehmen und in die Wirklichkeit umzusetzen, als ernstzunehmende Geschäftsfrau und nicht als kleines Mädchen.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Meine Eltern haben mich viel unterstützt, da beide selbständig sind und ich doch etwas grün hinter den Ohren war. Wenn es um Steuern, Gründungsangelegenheiten, Rechnung schreiben etc. ging, konnte ich mich immer an sie wenden, was eine riesen Hilfe war. Ich habe natürlich auch viel gegoogelt, wenn ich mal wieder nicht weiterkam und bin mehreren Facebook Gruppen beigetreten, in denen man sich immer super Tipps und Tricks holen kann.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Als mein Sohn geboren wurde, bin ich relativ schnell zu meinen Eltern gezogen, da es sehr, sehr hilfreich war, den Babysitter direkt im Haus zu haben. Somit konnte ich die Miete sparen und habe gleichzeitig als Social Media Beraterin etwas Geld verdient; ein Nebenjob, den ich mit großer Begeisterung mache.

Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre es nicht gegangen und somit bin ich ihnen natürlich ewig dankbar.

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Es war sicherlich eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess. Ich bin generell kein Planer und mache einfach; was seine Vor- und Nachteile hat. Ich habe die nächsten Schritte nie wirklich gewusst, aber inzwischen bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich die nächsten Wochen und Monate geplant habe, damit ich meine Inhalte besser konzipieren kann und einfach auch weiß, in welche Richtung mein Business geht.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Im Nachhinein wäre es schon schön gewesen, wenn ich einen besseren Plan und etwas mehr Geld zum Neustart gehabt hätte. An manchen Tagen bin ich doch etwas hilflos vor mich herumgestochert und wusste nicht, was ich tun sollte oder wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten sollte.

Allerdings waren es immer die Momente, in denen ich meinem Bauchgefühl gefolgt bin, die am Ende den besten Erfolg hervorgerufen haben.

Also, immer schön planen, aber auch spontan sein.

Was mir auch immer wieder zum Erfolg geholfen hat, war es, in mich zu investieren, sei es verschiedene Trainings oder Bücher oder einfach Zeit für mich.

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Wagt es. Es ist nicht einfach, aber es gibt nichts Schöneres, als sein eigenes Projekt in die Tat umzusetzen und damit im Laufe der Zeit auch Geld zu verdienen. Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich endlich mal wirklich einen Profit gemacht habe, aber als es dann passierte, war es genial. Auch wenn man mal ans Aufhören denkt, macht weiter. Es lohnt sich.

Gebt euch Zeit und Raum, um kreativ zu sein und Dinge auszuprobieren. Nicht alles wird sofort funktionieren, was es auch nicht muss. Es ist alles ein Lernprozess, an dem man als Frau und Mutter unendlich wächst.

Fotos: Anne-Sophie Reinhardt

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