Interviews, Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Mein Weg in die Selbstständigkeit: Trageberatung und Baby-Tanzkurse

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneuers ihre Erfahrungen weitergeben können, erzählen sie uns von ihrem Mut. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Eva ist 37 Jahre und wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern (3 und 5 Jahre) im Ruhrgebiet in Essen. – Hier habe ich übrigens mit meinem Mann studiert (seufz)- Sie ist gelernte Bankkauffrau und hat anschließend als Assistentin in den verschiedensten Bereichen gearbeitet. Nach der Elternzeit hat Eva sich nun als Trage- und Stoffwindelberaterin selbstständig gemacht und bietet außerdem Mama-Baby-Tanzkurse an.

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du sie in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Ich war begeistert über die Möglichkeit, mein Baby nah bei mir tragen zu können und dabei unterwegs zu sein, zu machen was ich wollte und mein Baby verlangte es auch einfach von mir. Also sammelte ich viele Informationen zum Thema und probierte alles Mögliche aus. Ich tauschte mich auch über meinen Blog und Twitter viel mit anderen Müttern aus. Ein paar meiner Freunde sagten mir wiederholt, ich solle doch selbst Trageberaterin werden. Beim ersten Kind traute ich mich nicht, aber nach der Geburt meiner zweiten Tochter und dem erneuten Erleben des „Tragevirus“ sagte ich mir, warum nicht ausprobieren? Was kannst du verlieren? Die Elternzeit bot mir die Gelegenheit, den Job erstmal zu testen.

Existenzgründung Mama-Baby-Tanzkurs, Trageberatung Essen

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Das Besondere daran ist für mich, dass ich Eltern helfe, die in der Situation stecken, in der ich selbst war. Mein erstes Kind war anfangs ein „Schreibaby“ und mein Leben war auf den Kopf gestellt – vollkommen anders als ich es mir erhofft und erwartet hatte. Das Tragen war meine Rettung, half mir, in meiner neuen Rolle als Mutter anzukommen und mich wieder kompetent in meinem Leben zu fühlen. Dieses Gefühl des „im-Griff-haben“ möchte ich meinen Kunden vermitteln – und dabei jede Menge Spaß haben.

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Nach der Ausbildung kümmerte ich mich als erstes um eine gute Homepage und verteilte Flyer. Ich investierte in gutes Arbeitsmaterial und verbrachte viel Zeit mit Recherchen und praktischem Üben. Ich wollte extrem gut vorbereitet auf meine ersten Kunden sein. Ich blieb gelassen, auch wenn ich in den ersten vier Monaten kaum Kundschaft hatte.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Meine größte Unterstützung ist mein Ehemann. Er ist mental für mich da, hört sich meine Gedanken und Sorgen an. Er kümmert sich natürlich um die Kinder, wenn ich arbeite.
Meine beste Anlaufstelle sind Kolleginnen. Nichts hilft so sehr wie gute Vorbilder zu haben. So musste ich nicht unbedingt jeden einzelnen Fehler selbst machen.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Mein Mann versorgt uns, so dass ich mich ausprobieren kann. Wir haben dementsprechend unsere Ansprüche erstmal gesenkt. Ein Traumjob ist mir wichtiger, als in den Urlaub zu fahren. Ich habe mein Angebot um Stoffwindelberatung und Mama-Baby-Tanzkurse erweitert – natürlich tue ich das mit Freude, weil ich auch für diese Themen brenne -, um jetzt im dritten Jahr langsam die Schwelle zu erreichen, auf eigenen Füßen zu stehen. Das ist auch nötig, damit ich ab 2016 nach Ende der Elternzeit komplett selbstständig weiter arbeiten kann.

Im Anlauf ist außerdem ein ganz anderer, neuer Geschäftszweig. Auch als Beraterin, aber mit anderer Zielgruppe. Das soll mein bestehendes Angebot ergänzen und „Flaute-Zeiten“ ausgleichen.

Mein wichtigster Tipp ist daher, langfristig zu denken. Sich ein Ziel für 3, 5 und 10 Jahre zu setzen und anfangs eben kleinere Brötchen zu backen. Geduld und Hartnäckigkeit zahlen sich aus. Wenn nicht viel Geld für die Anfangsinvestitionen da ist, kannst du nebenberuflich anfangen und den Gewinn direkt wieder in das Geschäft stecken.

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Die ersten Monate waren definitiv ein Herantasten aus dem Bauch heraus. Nachdem das Geschäft aber plötzlich sehr gut lief – womit ich vielleicht gar nicht so gerechnet hatte – musste ich mich doch hinsetzen und mir überlegen, ob ich das ernst meine und wirklich professionell herangehe. Die Antwort lautete ja – also fing ich an, das Ganze als richtiges Business zu durchdenken und entsprechend langfristiger zu planen – was weitere Ausbildungen zur Folge hatte.

Vor kurzem habe ich ein Business Coaching durchlaufen, um noch mehr Klarheit über meine Ziele zu erlangen. Das hat nicht nur Spaß gemacht, sondern auch wirklich viel Licht auf meinen Weg geworfen. Ich würde jedem empfehlen, sich von einem Coach oder erfahrenem Mentor Rat zu holen.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Ich hätte vielleicht von Anfang an in größeren Dimensionen denken sollen – andererseits war ich einfach von meiner inneren Reife auch noch nicht so weit – es hätte also nicht anders laufen können. Ich habe auch wirtschaftliche Fehler gemacht Zum Beispiel die Eröffnung eines Onlineshops, aber dieser Fehler hat mir auch gezeigt, dass Verkauf nichts für mich ist. Mein Herz schlägt für die Beratung. Ich werde nie mehr in meinem Leben über einen Laden oder Onlineshop nachgrübeln. Das war es wert, einmal die Erfahrung gemacht zu haben.

Selbstständig zu arbeiten hat meine Persönlichkeit verändert – zum absolut Positiven. Als Selbstständige kannst du dich nicht herausreden, du hast die Verantwortung. Das wirkt sich auch auf andere Lebensbereiche aus.

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Überlege dir, was deine Lebensziele sind. Dein Beruf sollte dir helfen, ein Lebensziel zu erreichen. Das Warum ist entscheidend – warum wir etwas tun. Denn dann tun wir es einfach.

Du hast auch eine Geschichte und möchtest sie mit vielen anderen Müttern teilen? Dann melde dich einfach per E-Mail bei mir.

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