Interviews, Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Mein Weg in die Selbstständigkeit: Künstlerin Conni Köpp

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneuers ihre Erfahrungen weitergeben können, erzählen sie uns von ihrem Mut. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Den Anfang macht Constanze Köpp, eine erfolgreiche Künstlerin, Buchautorin und die Gründerin von Wohnkosmetik. Sie ist Mutter von zwei Töchtern (inzwischen 4 und 16 Jahre) und hat vor acht Jahren als alleinerziehende den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und zeigt uns wie man es richtig macht.

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du die Idee in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Ich wusste schon im Grundschulalter, was mich faszinierte: Literatur. Malerei. Einrichtung. Ich dachte immer nur: wenn ich groß bin, schreibe ich meine Bücher selbst, male große Bilder und stelle Räume auf den Kopf, damit sie ein Zuhause werden. Zumindest zwei von drei Versprechen hatte ich mir 30 Jahre später erfüllt. Ich war kein Abziehbild meines schlauen Vaters, ich war weder eine gute Schülerin, noch waren Abi, Lehre, Studium auf der Landkarte meines Lebens eingezeichnet. 2007, nach fünf Jahren im Verlag, musste ich nach einer Massenentlassung die Ketten der Festanstellung sprengen und sprang in die Selbstständigkeit. Erfolg wird aus Mut gemacht, nicht aus Zeugnissen! Meine große Tochter war gerade acht Jahre alt, und ich allein erziehend. Wenn sie schlief, legte ich los: ich saugte das Internet aus, wurde autodidaktische Vermarkterin und Marketing-Sau. Ich wollte unbedingt als Gründerin einer neuen Idee, meiner „Wohnkosmetik“ (Mai 2007 – Mai 2015), bestehen. Mir beweisen, dass ich es schaffen kann, und am liebsten länger als die berühmten drei Jahre. Ich brannte!

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Tine Wittler hatte mit ihrer Wohn-Sendung gerade das Fernsehen und Zuschauer erobert. Der Markt war offen und ich hatte ein neues Konzept: Räume nur mit dem verwandeln, was vorhanden ist! „Die Menschen ersaufen an äußerer Fülle und verdursten an innerer Leere.“ Ich ging zum Fernsehen, stellte einfach mein Konzept vor und bekam sofort zehn Einsätze. Dann ging es weiter zu anderen Sendern. Ich musste immer schneller sein, als die Trittbrettfahrer, die plötzlich aus ihren Löchern gekrochen kamen. Heute – im Juli 2015 – stehe ich bereits zum zweiten Mal vor einem Neuanfang und löse mein drittes Versprechen ein. Bücher hatte ich bereits geschrieben, das letzte Buch –aufgeräumt leben– hatte es 2014 auf die Bestsellerliste geschafft.

Von Conni bereits veröffentlichte Bücher.

Von Conni bereits veröffentlichte Bücher.

Heute male ich! Ich hatte nie die Absicht, ein brotloser Künstler zu werden. Ich hatte Glück, verdammt viel Glück, denn in einem einzigen Augenblick entdeckt mich ein Hamburger Investor, verliebt sich in meine Werke und holt CAMPARI als Partner ins Boot. Alles ist perfekt, das Timing stimmt, und eine alte Sehnsucht drängt sich mir wieder auf: Italien! Ich möchte meinen Kindern diese Liebe so gern nahe bringen…

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Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Für die Wohnkosmetik suchte ich Partner. Es ist einfach, ein Thema zu haben, das JEDEN etwas angeht. Denn jeder hat ein Zuhause. Wie viel Einfluss unsere Räume auf unser Leben haben, war mir seit der Kindheit klar. Was wir bewegen, bewegt nicht nur den Augenblick sondern zieht ganz weite Kreise durch viele Bereiche! Ich hatte einen Sponsor für meine Flyer und V-Karten gefunden, recherchierte nach Kooperationen, win-win-Situationen. Ich wurde zum Junkee auf allen Social-Media-Kanälen, fotografierte, schrieb die Presse an und eröffnete Blogs. „Umarmungen statt Ellenbogen!“ war mein Credo.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

2006/7 war es einfacher, den Gründungszuschuss zu bekommen. Ich durfte erste Rechnungen schreiben und war 9 Monate zusätzlich abgesichert. Aber ohne finanzielle Unterstützung vom Partner musst du eben schnell und schneller sein. Aber wenn du unter Strom stehst, brennst du auf, nie aus! War ich doch mal müde und erschöpft, las ich Lebensläufe spannender Menschen und zog mir Motivationsfilme von Beetz oder Bischoff auf YouTube rein.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erst mal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Ohne Gründungszuschuss hätte ich es NATÜRLICH NICHT geschafft, hatte ja keinen Partner an meiner Seite, der mich auffängt, wenn es eng wird. Aber ich hatte Glück, weil ich mein erstes Buch mittlerweile an einen großen Verlag verkauft hatte, dann folgte ein zweiter großer Verlag. Heute habe ich bereits das vierte Buch beendet. Durch meine Texterei für Kunden (Websites; Pressetexte; Social Media) und meine Tantieme aus den Büchern (damals nur „Frannys Reise“) konnte ich es schaffen, auch wenn du am Anfang etwas kürzer treten musst. Aber was heißt das schon, wenn nichts dich aufhalten kann und keine neuen Kleider dich glücklicher machen könnten? Es war dieser Mut, mein eigener Herr zu sein – ich hatte stets Angst vor meiner eigenen Courage gehabt – bis es plötzlich doch kein Zurück mehr gab! Und dann gibst du mehr als 100%! Während erster Durststrecken hatte ich bereits Plan B aus dem Ärmel geschüttelt, und so wurde ich nebenbei auch noch Hochzeitsrednerin! Aber heute will ich nur noch malen und schreiben, die Wohnkosmetik war gestern! Acht Jahre waren mehr, als ich je erwartet hatte. Ich bin unendlich dankbar. Durch meine Interview-Strecke, die ich ins Leben rief, stieß ich auf Menschen mit besonderen Geschichten. Mein Blog ist mein Türöffner! Heute bin ich dankbar für meine Freunde und mein damaliges tolles Netzwerk – jeder konnte jedem helfen, ich war der größte Fan von Tauschwirtschaft!

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Niemand hätte mir meine Sache konzipieren können. Ich hatte zwar Freundinnen aus unterschiedlichen Bereichen, die mir immer wieder Inputs gaben, aber ich entschied stets aus dem Bauch heraus und grübelte nie lange. Ich hätte meine Dienstleistung nicht einmal lernen können – alles war bereits in mir vorhanden. Was alles, stellte sich einfach nach und nach heraus. Aber ich wusste ja, was ich konnte und brauchte: Herz, Verstand, Empathie und Kreativität.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Ich hätte mich mit noch mehr Menschen verbinden sollen: mit Maklern, Therapeuten usw. – hier war ich fahrlässig, warum es auch nicht immer reicht, wenn du viel Presse hattest wie ich. Die TV-Auftritte waren die stärkste Werbung, und nach ein paar Jahren fing ich an, andere zu schulen, die von meiner Idee begeistert waren und zu Ähnlichem berufen waren. Ihnen ersparte ich durch meine Erfahrungen viel Zeit und kostbare Nerven.

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?

Wenn dich etwas juckt, dann kratze dich nicht wund, sondern erlöse dich davon! Tu es, wenn es dich ruft, sonst wirst du dich eines Tages fragen: was wäre eigentlich, wenn…. wenn ich es doch getan hätte?

Fotos: Constanze Köpp

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