Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Mein Weg in die Selbstständigkeit: Kinderschuhe wie barfuß

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneurs ihre Erfahrungen weitergeben können, erzählen sie uns von ihrem Mut. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Anna hat bereits während der Elternzeit begonnen das Unternehmen Wildling Shoes zu gründen. Zusammen mit Ihrem Mann entwickelt Sie Schuhe, in denen man wir barfuß läuft. Aktuell läuft hier Ihre Crowdfunding-Kampagne, die direkt ein riesen Erfolg wurde.

Wildling Shoes Schuhe wie barfuß

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du sie in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Die Idee entstand – wie so oft – durch ein persönliches Problem, für das eine Lösung gebraucht wurde. Meine Kinder (2, 5 und 7 Jahre) sind in Israel geboren und dort die ersten Jahre barfuß aufgewachsen. Vor zwei Jahren sind wir nach Deutschland zurück gezogen und brauchten jetzt das erste Mal Winterschuhe für die Kinder – aber unsere Kinder konnten und wollten die auf dem Markt angebotenen Schuhe nicht tragen. Darum haben wir angefangen, einen Schuh zu entwickeln, mit dem Kinder wie barfuß laufen können. Da wir hier in Deutschland sowieso zu Umorientierung und Neustart gezwungen waren, haben wir entschieden, die Idee als Grundlage für unsere Existenzgründung zu nutzen. Unsere Kleinste war gerade ein paar Monate alt, aber weil mein Mann noch wenig Deutsch gesprochen hat, war es klar, dass ich einen Großteil des Unternehmensaufbaus übernehmen werde, während er sich viel um die Kinder kümmert. Im Homeoffice funktioniert das aber prima – die Trennung zwischen Arbeit und Familie ist nicht immer klar und eindeutig, aber man ist da, wenn die Kinder einen brauchen.

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

98% aller Kinder werden mit gesunden Füßen geboren, aber nur 20% aller Erwachsenen haben noch rundum gesunde Füße. Die Statistik hat uns schnell klar gemacht, dass nicht nur unsere Kinder ein Problem mit konventionellen Kinderschuhen haben. Ich konnte meine Kinder beobachten, wie sie sich barfuß entwickelt haben – mit behenden, natürlichen Bewegungen, einem großen Selbstvertrauen in die körperlichen Fähigkeiten und gesunden, kräftigen Füßen. Mit Wildling Shoes möchten wir diese Chance allen Kindern ermöglichen – auch in der Stadt und im tiefen Winter.

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Als erstes habe ich eine kostenlose Gründungsberatung in einem Gründerzentrum vor Ort wahrgenommen. Dort ist mir geraten worden, einen Geschäftsplan zu schreiben. Da ich so etwas noch nie gemacht hatte, habe ich mir Anleitung, Feedback und Motivation beim Kölner NUK-Businessplanwettbewerb geholt. Die Abgabe-Deadlines halten einen bei der Stange, der Austausch mit anderen Gründern ist sehr bereichernd und zum Schluss winkt sogar ein toller Gewinn! Gleichzeitig haben wir mit der Produktentwicklung begonnen, was schwierig war, da wir beide keine Erfahrung in der Schuhfertigung hatten und zudem vieles ganz anders machen wollten. Viele Experten aus der Branche haben uns sicher für totale Spinner gehalten.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Gute Anlaufstellen sind örtliche Gründer- und Startup-Zentren, Businessplan-Wettbewerbe und die IHK. Wir haben verschiedene Beratungs-Fördermittel genutzt – wie z.B. das Beratungsprogramm Wirtschaft (BPW) und derzeit das Gründercoaching. Das Programm übernimmt 50% der Beratungskosten durch Unternehmensberater oder andere akkreditierte Fachleute. Absolut bereichernd empfinde ich auch den Austausch mit anderen Mompreneurs – z.B. in der gleichnamigen Facebook-Gruppe.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Wir haben das Startgeld der KfW-Bank beantragt – pro Gründer sind das bis 100.000 Euro, die man beantragen kann. Voraussetzungen sind ein stimmiger Businessplan und eine Hausbank, die den Antrag annimmt und 20% der Haftung übernimmt. Bei Antragsstellung würde ich möglichst mehrgleisig fahren und den Businessplan direkt mehreren Banken vorlegen. Die Grenke-Bank ist auf die Vergabe des Startgelds spezialisiert und kann Verfahren etwas schneller bearbeiten. So oder so sollte man aber viel Zeit und Geduld einplanen (bei uns waren es insgesamt 5 Monate, bis die richtige Bank gefunden war, alle Formalitäten erledigt waren und wir den Kredit erhalten haben!). Für kleinere Projekte mit geringeren Investitionskosten lohnt es sich auf jeden Fall auch über Crowdfunding nachzudenken. Allerdings sollten solche Kampagnen sehr sorgfältig vorbereitet werden, damit sie Chance auf Erfolg haben.

Wildling Shoes Schuhe wie barfuß

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Am liebsten wäre ich einfach direkt durchgestartet, ungeduldig wie ich oft bin. Durch die zeitaufwändige Produktentwicklung und die Erstellung des Businessplans war ich aber gezwungen, mich sehr intensiv mit unserem Konzept zu befassen. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. Ein Geschäftsmodell in diesem Umfang will gut überlegt sein – viele Aspekte werden einem erst klar, wenn man sich sehr intensiv damit beschäftigt und andere brauchen einfach Zeit, um zu wachsen und sich zu entwickeln. Wirklich fertig ist man aber nie mit dem Durchdenken des Geschäftsmodells – an irgendeinem Punkt muss man immer ins kalte Wasser springen und testen, wie die Idee den Realitätscheck besteht.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Mit unserem Wissen heute hätte man natürlich den Entwicklungsprozess extrem abkürzen können, aber ich bin froh über die Schleifen, die wir gedreht haben, da sie uns Zeit gegeben haben, uns intensiver mit dem Konzept und dem Aufbau der Marke schon vor Markteintritt zu beschäftigen. Es ist gut, dass wir bei Markteintritt im Herbst nicht bei Null starten, sondern dass viele Kontakte schon im Voraus geknüpft wurden.

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

  • Vorhandene Anlaufstellen und Infrastrukturen (z.B. Gründerzentren, Businessplan-Wettbewerbe, Startup-Zentren, Coworking-Spaces, Fördermittel, etc.) nutzen
  • Sich intensiv mit dem Konzept beschäftigen und ihm etwas Zeit geben zu wachsen, bevor man damit auf den Markt geht – vor allem die Zielgruppe nie aus den Augen verlieren und immer wieder an deren Definition arbeiten
  • Früh mit Netzwerken und Marketing anfangen
  • Für seine Idee brennen, aber dabei auch kritikfähig bleiben und sich kritische Meinungen unvoreingenommen anhören können. Das heißt nicht, dass man jeden Rat annehmen muss (im Gegenteil!), aber aus fast jedem Gespräch kann man etwas mitnehmen, um seine Geschäftsidee weiter zu verbessern.
  • Und zum Schluss: nur Mut!! Nicht zu weit vorausschauen wollen – man muss wissen, wo es hingehen soll – dann reicht es, wenn man den Blick wieder senkt und jeden Schritt für sich angeht.

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