Mein Weg in die Selbstständigkeit

Mein Weg in die Selbstständigkeit: Ein Onlineshop für skandinavisches Design

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneurs ihre Erfahrungen weitergeben können, erzählen sie uns von ihrem Mut. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Katja Weiland von Ruville (35) lebt mit Ihrem Mann, dem 2-jährigen Sohn und Hund in Wien. Ursprünglich kommt Sie aus Norddeutschland und hat lange in Hamburg gelebt und auch dort Modejournalismus und Medienkommunikation studiert. Vor 6 ½ Jahren zog Katja dann der Liebe wegen nach Wien. Nach dem Umzug nach Österreich war die Jornalistin als angestellte Moderedakteurin tätig, machte sich dann aber relativ schnell als freiberufliche Journalistin selbstständig. Mittlerweile arbeitet Sie immer noch in diesem Beruf, hat im Mai 2015 als zusätzliches Standbein jedoch den Onlineshop KIND OF MINE* eröffnet, in dem Sie ausgewähltes Interior-Design aus Skandinavien für große und kleine Menschen anbietet.

Existenzgründung mit einem Online-Shop für Design

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du sie in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Vor der Geburt meines Sohnes habe ich als freiberufliche Journalistin für Publikums- und Kundenmagazine in Deutschland und Österreich gearbeitet. Es lief gut, ich war zufrieden. Doch ab und zu machte ich mir Gedanken über meinen – damals noch nicht konkreten – Plan B. Nach vielen Jahren in der Lifestyle-Journalismus-Branche fragte ich mich, ob ich den Job auch noch im Alter von 50 Jahren machen möchte. Versteh mich nicht falsch, ich liebe meinen Beruf, aber dass es der Medienbranche nicht gerade rosig geht, ist kein Geheimnis. Die Folgen habe natürlich auch ich gespürt.

Nach der Geburt meines Sohnes war ich ein Jahr in Karenz (so wird die Elternzeit in Österreich genannt), ich brauchte die Zeit für meinen Sohn, für mich, für unsere Familie. Es war für uns richtig und auch wichtig, dass ich dieses Jahr pausiert habe. Mit einem Kind verändern sich ja oftmals die Perspektiven, private als auch beruflichen Bedürfnisse werden hinterfragt. Zeitgleich zu meinem Wiedereinstieg in den Journalismus kam mir daher mein Plan B wieder häufiger in den Sinn. Ich wollte etwas Persönliches machen. Etwas, das ich mit Menschen, die einen ähnlichen Geschmack haben, teilen kann. Daher auch der Name KIND OF MINE* – das bin ich, das ist „meins“. Letzten Sommer, ich war gerade auf dem Weg meinen Sohn vom Kindergarten abzuholen, hat es dann endgültig Klick gemacht. Mir war klar, dass ich einen Onlineshop für schönes, ausgewähltes Design eröffnen möchte. Die Idee für KIND OF MINE* war geboren.

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Ich komme aus Norddeutschland und mochte schon immer minimalistisches Interior-Design aus Skandinavien. Ich finde, die Skandinavier haben es einfach drauf! Scheinbar mühelos finden sie stets eine Balance zwischen funktionaler Perfektion und zeitloser Ästhetik. Als Journalistin habe ich auch über Wohn- und Designthemen geschrieben. Ein Gebiet also, auf dem ich mich ganz gut auskenne.

Warum KIND OF MINE* ein Onlineshop geworden ist? Ganz einfach. Ein Onlineshop gibt mir – anders als ein Ladenlokal – die Freiheit weiter als Journalistin arbeiten zu können und lässt sich wunderbar mit meinem kleinen Sohn vereinbaren. Zusätzlich denke ich, dass der skandinavische Stil vielen Menschen gefällt und dass sie eine Plattform suchen, die ein vorausgewähltes, kuratiertes Sortiment nach ihrem Geschmack anbietet. Als Zusatznutzen für den Kunden – und auch um meine journalistische Neugier zu befriedigen – betreibe ich neben dem eigentlichen Shop auf der Seite auch einen Blog, auf dem ich etwa Designer interviewe oder inspirierende Menschen oder Wohnungen vorstelle. Des Weiteren statte ich Interiorprojekte und Fotoshootings aus – dank meines beruflichen Backgrounds weiß ich, worauf es dabei ankommt.

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Da ich ein Mensch bin, der Listen liebt, habe ich eine Liste geschrieben. Eine lange Liste. Dann habe ich mir Literatur zum Thema Onlineshops besorgt, mit kreativen Menschen aus meinem Umfeld gebrainstormt, Labels kontaktiert. Ich habe mir überlegt, was ich alleine machen kann und bei welchen Bereichen ich mir Hilfe holen muss.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Da ich zum Zeitpunkt der Gründung von KIND OF MINE* schon als Journalistin selbstständig war, waren viele Bereiche wie Versicherung, Steuererklärung etc. kein Neuland mehr. Dennoch war die Gewerbegründung natürlich etwas komplett Neues für mich. Also absolvierte ich einen Gründungsworkshop bei der Wirtschaftskammer Wien, die einen ganz guten Service anbietet.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Die Investitionen für KIND OF MINE* waren relativ überschaubar und wurden von meinem Mann und mir selbst gestemmt. An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an ihn! Er hat immer an meine Idee geglaubt und unterstützt mich nicht nur finanziell, sondern auch kreativ. Da ich im Mai diesen Jahres den Shop gelauncht habe, befinde ich mich ja definitiv noch in der Anfangszeit. Klar, davon leben kann ich selbstverständlich noch nicht. Aber KIND OF MINE* ist gut angelaufen und ich hoffe, dass sich der Shop in der nächsten Zeit gut entwickeln wird. Dank meiner Arbeit als Journalistin kommt ja zum Glück zusätzlich noch Geld in die Kasse.

Was ich anderen raten kann? Seid nicht blauäugig und denkt euch „das geht schon irgendwie“ oder „wenn das Business mal angelaufen ist, funktioniert es von selbst“ – das tut es definitiv nicht. Macht euch schlau und rechnet durch, was so eine Gründung kostet. Wie hoch sind die Anfangs- und die Folgeinvestitionen? Bedenkt dabei, dass es gerade in den ersten Jahren Sinn macht den Gewinn wieder komplett ins Business zu investieren.

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Besonders der kreative Part – also das Logo- und Shopdesign, die Produkte etc. – waren eher emotionale Entscheidungen. Ich habe das immer als den schönen Teil der Arbeit bezeichnet, weil es mir mehr liegt. Aber, ganz ehrlich, ohne Konzept funktioniert es einfach nicht. Besonders der kaufmännische Teil musste gut durchdacht und –organisiert werden. Es ist wichtig, den Überblick über das große Ganze zu behalten.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Ach, eigentlich bin ich ganz glücklich, wie alles gelaufen ist. Natürlich war vieles neu, ich habe viel ausprobiert und natürlich auch aus den Fehlern gelernt. Falls ich nochmals einen Onlineshop gründen sollte, würde ich mich im Nachhinein sofort an eine Webagentur wenden und nicht selbst zuhause mit dem Mann rumexperimentieren. Und ich würde auch kein langes „Agentur-Casting“ mehr veranstalten, sondern wüsste sofort, worauf es ankommt und was ich möchte. Aber sonst: Alles fein 🙂

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Macht es! Wenn nicht jetzt, wann dann? Macht es aber nur, wenn ihr wirklich von der Idee und dem Konzept überzeugt seid. Denn wenn nicht, wenn ihr nur halbherzig bei der Sache seid, dann wird es schwer. Auf dem Weg zur Selbstständigkeit werdet ihr bestimmt noch oft an den Punkt kommen, an dem ihr zweifelt – dann ist ein prinzipieller fester Glaube an die Idee Gold wert.

Überlegt euch genau, ob es einen Markt für eure Idee gibt, was ihr für die Umsetzung benötigt, holt euch unbedingt Hilfe – besonders in Bereichen, in denen ihr euch nicht hundertprozentig auskennt. Bedenkt, dass es immer (IMMER) mehr Arbeit ist, ein Business aufzubauen, als ihr zu Beginn glaubt. Speziell zum Thema Webshop: Es ist eine Illusion, dass der Shop automatisch Geld abwirft, wenn er erstmal online ist. Es ist wirklich kontinuierliche Arbeit (die, zugegen, verdammt viel Spaß bringt). Schreibt einen Businessplan. Ja, auch das muss sein! Ich habe es als wichtig empfunden, Dinge auszuformulieren, statt sie nur in meinem Kopf spazieren zu tragen. Und dann: Macht es! Es ist eine tolle Erfahrung!

Foto: Katja Weiland von Ruville