Interviews, Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Mein Weg in die Selbstständigkeit als Modedesignerin für Kidsfashion

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneurs ihre Erfahrungen weitergeben können, erzählen sie uns von ihrem Mut. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Stephanie Raatz von Wool Candy Berlin habe ich diesen Monat während der Fashion Week in Berlin getroffen. Zusammen mit Ihrer Mutter hat sie das hippe Eco-Label gegründet, das hauptsächliche Kindersachen, aber auch einige schicke Teile für uns Mamas in hochwertiger Bio-Qualität in Deutschland produziert.

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass Ihr sie in ein reales Projekt umgewandelt habt?

Meine Mutter hat für die Familie und vor allem für die Kinder schon immer viel gestrickt und genäht. Wir wurden immer wieder auf die Sachen angesprochen, ob man die denn irgendwo kaufen kann und hatten überlegt, ob man da nicht ein Geschäft draus machen kann. Irgendwann wurde ich meines Jobs als Steuerberaterin so überdrüssig, dass ich gerne etwas Neues ausprobieren wollte. Etwas, das mir etwas mehr Freiraum für die Kinder schafft. Und so haben wir uns gesagt, wir starten das Projekt jetzt und versuchen es einfach.

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Im März 2014 sind wir gestartet und hatten im August 2014 bereits die erste Kollektion fertig. Das war leider etwas zu spät, da die Einkäufer ihre Waren für den nächsten Winter bereits geordert hatten. Allerdings habe ich dann doch noch ein paar Läden gefunden, die die Sachen mit verkauft haben und der Rest lief dann über unseren Online-Shop.

Das Besondere an unseren Produkten ist, dass die Sachen alle aus reiner Bio-Wolle und Bio-Baumwolle in GOTS-Qualität in Deutschland produziert werden. Uns ist es wichtig, dass die Sachen für Kinder mit empfindlicher Haut geeignet sind, da mein Sohn Neurodermitis hat. Und er trägt die Sachen total gerne, da selbst die Wolle weich ist und nicht auf der Haut kratzt.

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Zuerst haben wir einen Businessplan geschrieben. Nicht weil der hinterher so eintrifft, sondern weil man sich Gedanken über den gesamten Prozess macht und schaut, ob das Unternehmen tragfähig ist. Ich habe ganz viel geschaut, wo wir die Bio-Wolle herbekommen und ob es in Deutschland überhaupt noch Strickfabriken gibt. Außerdem hatte ich ganz viel Glück, da ich eine Frau kennengelernt hatte, die sich in diesem Bereich sehr gut auskennt und mir so beratend zur Seite stand. Anschließend haben wir überlegt, was wir genau machen wollen, in welcher Menge und in welchen Farben. Und dann haben wir einfach los gelegt und geschaut wie es läuft.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Ich finde die IHK sehr hilfreich, weil sie Spezialisten für die unterschiedlichsten Themen als Ansprechpartner haben. Außerdem gibt es die Mompreneurs, die super zum Netzwerken sind. Hier gab es ein monatliches Treffen. Auf Facebook bekommt man dort zum Beispiel innerhalb von Minuten Antworten auf seine Fragen.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Meine Mutter und ich haben viel Erspartes in unsere Selbstständigkeit reingesteckt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, ein Förderdarlehn der KfW zu beantragen, was wir dann aber nicht gemacht haben. Und es gibt Fördergelder für die Gründerberatung. Das Problem hier ist allerdings, dass die Kosten für die Berater nur zu 50 Prozent gedeckt sind.

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Es war ganz viel aus dem Bauch heraus, da wir ja nicht aus der Branche sind. Allerdings hatten wir als Grundlage immer den Businessplan und die Kalkulationen. Da bekanntlich immer alles anders kommt als man denkt, muss immer mal wieder aus dem Bauch heraus entschieden werden.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Besonders gut geklappt hat, dass die Kleidungsstücke wirklich so schön sind, wie wir sie uns vorgestellt haben. Nicht gut geklappt haben einige Punkte in der Produktionskette, da wir sie einfach nicht bedacht hatten. Zum Beispiel die Preise des Garns waren sehr teuer, da wir uns verkalkuliert hatten und nachbestellen mussten. Und diese kleinen Mengen einer Nachbestellung sind natürlich sehr teuer. Man kann Dinge immer noch besser planen, da wir ja einfach so reingestolpert sind.

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Ich würde mich ganz viel mit Leuten unterhalten, auf Netzwerktreffen gehen und mich mit den Mompreneurs beschäftigen. So lernt man viel und kann einige Fehler vermeiden. Oft entstehen hier Kundenbeziehungen, aber auch Freundschaften.

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