Mom at work
Schreibe einen Kommentar

Mom at work: Schwanger während des Studiums

Yasmin ist während des Studiums schwanger geworden. Da der Online-Bereich einem steten Wandel unterliegt und sie ein Berufseinsteiger ist, hat Yasmin sich nicht getraut eine längere Auszeit zu nehmen. Leider, wie sie nun sagt.

Wie lange warst du in Elternzeit? War die Dauer eine bewusste Entscheidung?

So wirklich? Eigentlich nur 6 Monate. Bewusst ja, gewollt, eher nein. Ich bin im Studium schwanger geworden, quasi zum letzten Semester während meiner Bachelorarbeit. Auch, wenn ich vorab schon sehr viel praktische Erfahrung durch Projekte und Minijobs gesammelt hatte, hatte ich tierische Angst, dass ich nach einer längeren Pause gar keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben würde. Immerhin ist der Online-Sektor stetig im Wandel und wer Pause macht, bleibt auf der Strecke. Die Angst, dass mein Mann alles alleine tragen müsse bzw. dass ich meinem Kind nichts bieten kann und mein Studium für die Katz war, hatte mich dazugetrieben schon früh wieder einzusteigen. Allerdings zunächst nur im Home Office und später auf Teilzeit (da war die Maus 1 Jahr alt). Es fiel mir verdammt schwer, denn im ersten Jahr haben wir viel unternommen, dafür blieb keine Zeit mehr. Die Entscheidung war bewusst, aber im Nachinein würde ich sie nicht wieder treffen. Ja, ich arbeite gern, aber der Preis war zu hoch.

In welcher Position arbeitest du momentan?

Ich bin Volontärin im Onlinemarketing. Eigentlich ein Witz, denn immerhin habe ich schon über 3 Jahre Erfahrungen im Online-Segment. Da die Arbeit aber immer unter den Fähnchen „Praktikum“ und „Minijob“ oder „Homeoffice“ lief, scheint sie nicht so wirklich zu zählen. Eigenverantwortliche Projekte hin oder her. Das möchte ich jetzt aber ändern, denn Volontariate umschippern die Mindestlohnegrenze noch gekonnt.

Hast du diesen Job ursprünglich gelernt und passt er zu deinen Qualifikationen?

Es ist sogar genau das, was ich machen möchte und worauf ich die letzten Jahre hingearbeitet habe. Ich habe mein Studium Medienwirtschaft und Journalismus mit Schwerpunkt Onlinemedien abgeschlossen und eine praktische Bachelorarbeit bei der Telekom verfasst. Alles, um später so richtig Fuß fassen zu können. Dann kam der Babybauch 😉

Bist du noch beim gleichen Arbeitgeber wie bereits vor der Schwangerschaft?

Leider nicht. Ich hätte zwar bei der Telekom bleiben können, doch in Darmstadt wollte ich nicht bleiben. Ich hab mich dazu entschieden zu meinem Mann in den Raum Aachen zu ziehen und fing quasi bei 0 an.

Wie bist du an deinen neuen Job gekommen und gab es besondere Hürden die du nehmen musstest?

Ich habe eine Ausschreibung im Internet gesehen und mich beworben. Natürlich fing ich ganz unten als Praktikantin an und wurde nach 6 Monaten dann als Volontärin eingestellt. Die einizge Hürde ist wohl das finanzielle, denn die ersten 6 Monate habe ich quasi für das Spritgeld gearbeitet. Daher habe ich auch zwei weitere Stellen gehabt, damit ich mir das überhaupt leisten kann.

In wie fern decken sich deine Erwartungen vor der Geburt mit der Realität, die sich dann erst im Alltag gezeigt hat?

So gar nicht. Ein Kind beansprucht massig Zeit. Die Vorwürfe, die man sich macht, wenn man dem Kind keine Zeit und Aufmerksamkeit schenken kann, diese innere Zerrissenheit, wenn man sich stänig zwischen Kind und Karriere entscheiden muss – es ist grausam und nagt an mir. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so fertig machen würde. Zudem litt ich nach der Geburt unter den berühmten Wochenbettdepressionen, die zunächst unerkannt blieben. Sie wirken bis heute noch nach und machen mir das Leben schwer.

Ist dein Job gut mit der Familie zu vereinbaren oder ist es eher schwierig?

Eigentlich sollte es nicht so schwierig sein, da man im Onlinebereich gut von zu Hause aus arbeiten kann. Allerdings muss man auch immer wieder mal präsent sein, auch über die normale Arbeitszeit hinaus (unbezahlt natürlich). Ich glaube gerade im Onlinebereich wäre das Home Office aber kein Problem und damit die Vereinbarkeit durchaus machbar – würde sich der Arbeitgeber auch dazu herablassen. Ich habe gelesen, dass das Home Office noch immer nicht so richtig anerkannt ist und viele Arbeitgeber Angst davor haben, dass dann die Leistung der Mitarbeiter absinkt. Schade. So werden wir es nie zu einer richtigen Vereinbarkeit schaffen, denn Arbeitgeber sind oft ziemlich unflexibel.

Wie schaffst du den Spagat zwischen deiner Familie und deinem Job?

Noch gar nicht. Ich hoffe, dass es demnächst besser wird, wenn ich mich tatsächlich auf 1 konkreten Job fixieren kann, statt (aktuell) 2 Jobs plus Blog zu führen. Das ist too much, denn ich habe quasi niemals Feierabend. Wenn ich endlich angemessen bezahlt werde und mit einem Job meine Kosten decken kann, hoffe ich darauf entlastet zu werden und das Muttersein genießen zu können- ohne Vorwürfe.

Wie regelt ihr das, wenn euer Kind krank ist?

Bisher sprang die Oma ein, wenn es dem Kind zwar gut ging, aber sich eben Krankheitssymptome zeigten. Wenn es ihr schlecht ging, blieben mein Mann und ich abwechselnd zu Hause. Da er nun einen neuen Job antritt ist es aber gar nicht mehr so leicht. Wir wissen nicht einmal, wie wir das Abholen aus der KITA zukünftig regeln sollen. Wir sind ziemlich aufgeschmissen, da wir umgezogen sind und auf den „Oma-Service“ verzichten müssen. Die Urlaubstage sind auch schon alle weg…

Hast du abschließend noch einen Tipp für andere Mütter, die bei der Jobsuche oder im Alltag mit Kind und Job oft verzweifeln? Was glaubst du funktioniert bei euch besonders gut?

Man muss sich auf seinen Partner verlassen können. Ich habe großen Respekt vor Alleinerziehenden, denn das wäre mein Todesurteil geworden. Mein Mann entlastet mich wirklich wo er kann und versucht mich zu unterstützen. Abends kümmert er sich meistens ums Kind und versucht mir Freiraum zu schaffen, damit ich durchatmen kann.
Wir haben einen gut geregelten Ablauf am Morgen und am Abend. An diese festen Abläufe klammere ich mich oft, wenn ich mal wieder verzweifle. Mit der Routine kommt die Sicherheit. Nicht aus der Ruhe bringen lassen ist wohl das A und O, denn Hektik färbt auch auf das Kind ab und dann wird dieses wiederrum unruhig und die Mutter ist noch gestresster.

Man sollte bei der Jobsuche von Anfang an klarstellen, dass man als Mutter zwar ausfallen kann, aber alles gibt, um die gleiche Leistung wie ein Kinderloser zu erzielen. Davor haben nämlich viele Arbeitgeber Angst. Gleiche Bezahlung, weniger Output, also weniger wirtschaftlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.