Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Mehr Raum für Kreativität und Vintage

Viele Mütter sind nach der Geburt ihres Kindes bereit für einen beruflichen Neuanfang. In diesem Lebensabschnitt ändert sich so unsagbar vieles im Leben einer kleinen Familie und der Weg zurück in das alte wird einem oft nicht einfach gemacht oder gar komplett verwehrt.

Die Mütter in meiner Interviewreihe sind einen mutigen Schritt gegangen, indem sie einen beruflichen Neustart gewagt haben. Einige sind in ihrem Bereich geblieben, andere haben sich in ganz neue Gefilde gewagt. Damit diese Mompreneuers ihre Erfahrungen weitergeben können, habe ich diese Reihe ins Leben gerufen. Traut euch an einen Neuanfang, denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Sandra ist 40 und hat sich in der Schweiz selbstständig gemacht. Zusammen mit ihrem Partner und ihrem 3jährigen Sohn lebt sie in Thun. Nachdem Sandra nach der Elternzeit wieder in ihren alten Job eingestiegen ist, kam sie an ihre Grenzen. Ihre Arbeitstage waren lang und die Zeit mit Ihrem Sohn und Partner zu kurz. Sie hat den Schritt gewagt und ihr eigenes Projekt verwirklicht.

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du sie in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Ich bin jetzt überzeugt, dass ganz tief in uns diese Vision wohnt. Allerdings werden wir häufig durch Vernunft gesteuert. Ich habe mich zuerst kaufmännisch ausgebildet – danach bin ich ins HR eingestiegen und war nun über 10 Jahre darin tätig. Gespürt habe ich über all die Jahre, dass mir etwas fehlt, dass ich etwas nicht Raum verschaffe, nämlich meiner Kreativität.

Nach der Geburt meines Sohnes vor bald vier Jahren war klar, mein Arbeitgeber hat keine Teilzeitmöglichkeit für mich – so kam ich aus dieser Komfortzone raus, wenn auch nicht ganz freiwillig. Heute weiß ich, das war mein Glück! Obwohl ich es seither noch zwei Mal probiert habe, mit einer Teilzeitstelle im HR – es ging nicht. Unausgeglichenheit, Stress und erste starke körperliche Anzeichen zwangen mich dazu, im März 2015 – definitiv den Schlussstrich zu ziehen. Ein Achtsamkeitstraining, viel Ruhe und Distanz haben mich nun zurückgeholt. Diese Zeit habe ich gebraucht und genutzt – mein eiguwär.ch und schrankfit.ch zu erschaffen.

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Eiguwärch (Eigenwerk) und Schrankfit ist eine Herzensangelegenheit.

Mit eiguwär.ch will ich eigene Ideen und Designs erschaffen. Es geht um sehr individuelle und besondere Dinge. Beim Schmuck verwende ich „alte“ Vintage-Produkte und hauche ihnen neues Leben ein. Ich setzte auf Nachhaltigkeit. Ich arbeite oft mit Resten, mit Dingen aus der Brocken-stube oder dem Flohmarkt oder ergänze sie mit neuen Teilen. Eiguwärch ist ein starker kreativer Ausdruck in vielen Formen.

Und beim Schrankfit räumen wir auf, entdecken gemeinsam die Schrankperlen, kombinieren und ergänzen. Es geht darum, die Leute zu motivieren, man selbst zu sein und nicht irgendein Trend. Im Sinne der Nachhaltigkeit und dem heutigen Überfluss will ich sensibilisieren. Lieber weniger und dafür das „Richtige“. Bestehendes aufzupeppen oder umzumodeln. Schrankfit ist und bleibt „wie Einkaufen im eigenen Kleiderschrank“ und noch viel mehr.

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Ganz mutig startete ich zuerst mal mit einem Blog und danach mit meiner eigenen Website. Anfangs waren es eher Freundinnen, welche meine Produkte kauften oder auch sich mit mir zusammen ihrem Schrank stellten. Tolle Feedbacks, viele Aufmunterungen und Zuspruch waren in dieser Zeit sehr wichtig. Durch Mund-zu-Mund wächst mein Business nun langsam und stetig. Es braucht Geduld und Zuversicht. Ich verzichte im Moment auf einiges und trotzdem fehlt es mir an Nichts. Ich fühle mich ausgeglichen und angekommen. Ich kann meine Rolle als Mama, Partnerin und Eigentümerin sehr gut vereinen und habe nicht mehr das Gefühl, überall nur halb gerecht zu werden.

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Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Ich wurde einerseits durch gute Freunde und meinen Partner unterstützt, vor allem mental. Zudem habe ich einige Gespräche geführt mit Leuten, welche den Schritt in die Selbständigkeit ebenfalls gewagt haben. Zudem ist mein Vater seit jeher selbständig und dadurch bin ich mir bewusst, was die Selbständigkeit bedeutet – mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Ich habe das Glück, dass für meine Ideen keine größeren Anschaffungen notwendig waren. Die Website, meine Flyer und Visitenkarten, habe ich selber erstellt. So konnte ich die Kosten bis jetzt recht „flach“ halten. Und eines ist mir bewusst geworden. Willst Du etwas wirklich aus dem Herzen heraus – und tust es auch mit ganzem Herzen – so schenkt Dir das Leben oftmals zur richtigen Zeit die richtigen Begegnungen und Inputs.

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Bei mir war es ganz klar eher ein „aus-dem-Bauch-heraus-Prozess“. Es war definitiv an der Zeit, endlich auf meinen Bauch und mein Herz zu hören. Danke, lieber Bauch 😉

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Ich hätte schon viel früher starten sollen, mit meiner Vision. Doch auf der anderen Seite, bin ich sehr dankbar, für die gemachten Erfahrungen. Denn diese Erfahrungen haben mich wohl zudem Mensch gemacht, der ich heute bin. Gut geklappt hat, dass ich mir Zeit nehmen durfte, mein Angebot zu formen. Das ist ein bewusster Prozess, der immer noch läuft. Erste Aufträge mit tollen Feedbacks und Leute – welche mich dabei unterstützen, das ist/war wertvoll.

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

ES EINFACH TUN, auf sein Herz hören, dem Bauch Raum geben und den Mut an die Hand nehmen. Sich nicht abhalten lassen und seinen Weg gehen. Es ist mir bewusst, dass bei so einem Schritt auf vieles verzichtet werden muss – seien wir ehrlich, es ist oftmals sehr viel Materielles dabei. Und es gibt sie, diese „Zweifelzeiten“. Zeiten wo einfach grad gar nichts kommt und nichts geht. Durchatmen und ruhig bleiben und zuversichtlich sein, dass es halt grad so ist – wie es ist. Vorwärts gehen. Und wieder geht eine Türe auf.

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