Lifestyle
Kommentare 1

Können Kinder Rassisten sein?

In letzter Zeit schlägt mir in sämtlichen Lebenslagen immer wieder das Thema Rassismus entgegen. Janina von Oh Wunderbar hat in ihrem Artikel Kinder denken nicht in Hautfarben über Rassismus geschrieben und denkt, dass dieser irgendwann aussterben wird, weil unsere Kinder inzwischen in einer bunten Welt aufwachsen. Ich sehe dies leider nicht so, da das Thema inzwischen wieder salonfähig ist und momentan immer populärer wird. Man muss schließlich nur auf die Wahlergebnisse der rechtspopulistischen Parteien schauen.

Kinder kennen keinen Rassismus

Kinder sind grundsätzlich erstmal frei von Rassismus. Das heißt, sie denken nicht in Schubladen, sondern jeder Mensch ist gleich. Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir Vorurteile, die uns den Alltag erleichtern und deshalb auch wichtig sind. Entscheidend ist jedoch, dass man seine Vorurteile, die sich über Jahre entwickelt haben, selbst reflektieren können muss. Wenn ich zum Beispiel in der U-Bahn einen Menschen mit dunklerer Haut als der meinen sehe, dann handelt es sich nicht gleich um einen Flüchtling. Diese Person kann zum Beispiel genauso wie ich in Deutschland geboren und aufgewachsen sein, die medienstarke Flüchtlingspolitik hat mir aber etwas anderes suggeriert. Und dies ist nur ein harmloses Beispiel.

Was wir machen können?

Was wir machen können? Unseren Kindern beibringen, dass anders normal ist und dass kein Mensch dem anderen gleicht! Kinder, aber auch Erwachsene, müssen mit den verschiedensten Menschen in Kontakt kommen, damit zum einen keine Mauern entstehen und wenn es bereits zu spät ist, dann sind diese Mauern wieder einzureißen. Auch bei uns zu Hause wird gefragt, warum die Freundin schwarze Haut hat und weshalb jemand in einem Container und nicht in einer Wohnung oder einem Haus wohnt. Es ist ja auch richtig solche Dinge zu hinterfragen und auch zu verstehen. Solche Faktoren sollten aber nicht den Umgang miteinander beeinflussen.

Ich erinnere mich an eine Szene im Kindergarten. Meine Tochter muss zwei Jahre alt gewesen sein und hat gefragt, warum der eine Papa so schwarz ist. Er hat es mitbekommen und sowas wie „Weil ich mich nicht gewaschen habe.“ geantwortet. Es gab keine Hintergedanken bei der Frage, einfach nur kindliche Neugierde. Der Mann ist übrigens inzwischen ein sehr guter Freund. Ihre Neugierde hat also auch die Barriere auf Erwachsenenebene gebrochen.

Rassismus im Alltag

Was wir unseren Kindern beibringen ist, dass jeder Mensch bei uns herzlich willkommen ist. Aber genau solche Familien sind auch nicht das Problem und nicht die Ursache des Rassismus. Diese liegt in den Familien, die ihren Kindern rechtes Gedankengut vermitteln. Die AFD ist stark wie nie und der Trend scheint nicht zurück zu gehen. Diese Wähler haben Kinder oder werden Kinder bekommen und genau diese Kinder bekommen von klein auf mit, wie man nicht denken und handeln sollte. Ich stelle mir oft die Frage, wie man dafür Sorge tragen kann, dass auch diese Kinder zu offenen und toleranten Menschen heranwachsen. Gibt es hier Projekte zur Prävention von Rassismus in Kindergärten und Schulen? Wo setzt man da optimalerweise an? Ich bekomme in meinem Umkreis oft mit, wie Menschen unter Rassismus leiden. Oft ist es im Kleinen durch abschätzende Blicke, andere werden Opfer des Racial Profilings und wieder anderen stehen nicht die gleichen Chancen offen, wie sie mir offen stehen. Integration wird immer mehr zum Fremdwort und sollte doch selbstverständlich sein. Hierbei denke ich nicht an die wunderbaren Projekte, die von kleinen und großen Organisationen sowie Ehrenamtlichen ins Leben gerufen wurden. Davon gibt es zum Glück viele und einem haben wir unser fünftes Familienmitglied zu verdanken, über das ich bereist in meinem Artikel Abenteuer Vormundschaft geschrieben habe. Ich meine damit, dass vor dem Gesetz jeder Mensch gleich ist. Das heißt nicht nur die gleichen Pflichten, sondern auch die gleichen Rechte! Und davon sind wir sehr weit entfernt…

Was ist also die Lösung? Ich hätte gerne eine… Und ich bin auch optimistisch wie Janina in ihrem zu Beginn erwähnten Beitrag, dass man es durch Regularien in der Politik auf jeden Fall besser machen kann. Das Problem der Politik ist aber, dass nur in Wahlperioden gedacht und gehandelt wird. Integration hingegen ist ein sehr langfristiges Projekt, das den Politikern auf die Schnelle keinen Wahlerfolg bringt.

1 Kommentare

  1. Das ist wirklich ein wichtiges Thema. Ich bin zum Beispiel total gefrustet weil meine 7jährige Tochter Menschen mit sehr dunkler Hautfarbe hässlich findet und nichts mit ihnen zu tun haben will. Ich weiß nicht wie sie darauf kommt, wir bewerten innerhalb der Familie nie das Äußere von Menschen, wir sind offen, neugierig und tolerant in jeglicher Hinsicht. Darauf legen mein Mann und ich absolut Wert das unseren Kindern zu vermitteln. Als wir neulich im Zug von einem Mann mit anderer Hautfarbe angesprochen wurde, hat sie sich richtig hinter mir versteckt, das war mir total unangenehm.
    Ich hoffe das ändert sich noch bei ihr. Sie ist sonst so ein offenes und herzliches Mädchen, eigentlich passt das so gar nicht zu ihr.
    Danke für Deinen Artikel hier, das ist sooo wichtig.
    Ganz lieben Gruß
    Katrin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.