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Ist mein Kind zu dick? Ursachen, Folgen und Hilfe für Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas

Ist mein Kind zu dick? Ursachen, Folgen und Hilfe für Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas

Die leicht bekleidete Saison in den Stadtparks, Freibädern und an den Seen hat wieder begonnen und wie in jedem Jahr komme ich zu der erschreckenden Erkenntnis, dass bereits ein viel zu großer Teil der Kinder und Jugendlichen übergewichtig ist. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Eltern diese Eigenschaft an ihren Kindern oft gar nicht erkennen, da man sich oft sagt, dass das Kind halt einen kräftigeren Körperbau hat oder dass es sich noch verwächst. Damit meine ich nun allerdings keine Babys oder Kleinkinder, sondern jene ab etwa drei Jahren. Denn bei den Kleinen läuft sich der Babyspeck ja in der Tat meistens dann ab, wenn sie zu laufen beginnen.

Das Robert-Koch-Institut aus Berlin hat in seinem Journal of Health Monitoring in der Ausgabe 1/2018 die Ergebnisse der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland veröffentlicht. Es handelt sich hier um die zweite Umfragewelle, die im August 2017 endete.  Außerdem zeige ich euch, wie man mit dem BMI für Kinder herausfinden kann, ob sie an Übergewicht oder Adipositas leiden.

Zahlen & Fakten zu Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Aus der Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ergaben sich folgende Punkte:

  • In der Altersspanne der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen leiden 15,4% an Übergewicht und weitere 5,9% haben Adipositas
  • Adipositas wird nochmal in weitere Schweregrade unterteilt, die sich aus dem errechneten Body-Mass-Index (BMI) ergeben
  • Kinder und Jugendliche mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status leiden deutlich häufiger an Übergewicht und Adipositas, zwischen den Geschlechtern gibt es hingegen keinen erwähnenswerten Unterschied
  • Mit zunehmenden Alter steigt der Anteil der Kinder mit Übergewicht und Adipositas

Im Vergleich zu den 1990er Jahren sind der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen um 5% sowie der von Adipositas betroffenen um 3% gestiegen. Letzterer Wert hat sich damit sogar verdoppelt. Erfreulich ist, dass sich der Trend der Gewichtszunahme seit den 2000er Jahren nicht weiter fortzusetzen scheint. Dennoch bleibt er aber auf einem aktuell extrem hohen Stand und entwickelt sich nicht zurück.

Folgen von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche, die unter Übergewicht oder Adipositas leiden, sind deutlich anfälliger für Krankheiten und aus der Gesellschaft resultierende Probleme. Hierzu zählen folgende:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen im jungen Alter (erhöhter Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen, Störungen des Glukosestoffwechsels)
  • Reduktion der Lebensqualität
  • Übergewichtige Kinder sind öfters Mobbingopfer
  • Höhere Wahrscheinlichkeit auf Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter

Ursachen von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine tägliche körperliche Aktivität von mindestens 60 Minuten, nationale Empfehlungen für Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche in Deutschland besagen sogar, dass Kindergartenkinder täglich mindestens 180 Minuten und Grundschüler mindestens 90 Minuten körperlich aktiv sein sollen.

Unter körperlicher Aktivität versteht man durch Skelettmuskeln ausgeführte Bewegungen, die zu einem erhöhten Energieverbrauch führen beziehungsweise mäßige bis sehr anstrengende körperlich-sportliche Aktivitäten. Also ein Bewegungslevel, das man nicht nur beim Sport, sondern bereits beim Toben auf dem Spielplatz, im Park oder im Garten erreicht.

Problem Bewegungsmangel insbesondere bei Jugendlichen:

  • Es besteht ein Unterschied zwischen Jungen und Mädchen sowie zwischen niedrigerem und hohem sozioökonomischen Status
  • Nur 22,4% der Mädchen und 29,4% der Jungen erreichen die 60-minütige Bewegungsempfehlung der WHO
  • Je älter die Jugendlichen werden, desto weniger von ihnen erreichen das Tagesziel
  • Eine geringe körperliche Aktivität wurde zum einen häufiger bei Mädchen festgestellt und zu anderem bei Jungs und Mädchen aus Familien mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status

Kinder und Jugendliche, die körperlich-sportlich aktiv sind, leiden seltener an Adipositas sowie an Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Außerdem verhilft die körperliche Aktivität zu einer gesunden Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, einer besseren kognitiven und schulischen Leistung und einem gesteigerten Bewegungsverhalten im Erwachsenenalter.

Falsche Ernährung

Ein Problem in der heutigen Zeit ist die regelmäßige Ernährung durch Fast-Food-Produkte sowohl außerhalb in zum Beispiel Restaurants und Imbissen, als auch Zuhause aus dem Tiefkühlfach. Diese Lebensmittel enthalten Stoffe wie Glutamat, die das natürliche Sättigungsgefühl aushebeln, zu viele zusätzliche Süßstoffe und enthalten kaum noch wertvolle Nährstoffe. Zum Thema gesunde Ernährung könnt ihr auch etwas in meinem Artikel Brainfood lesen. Hier bekommt ihr tiefergehende Informationen zur gesunden und ausgewogenen Ernährung bei Kindern und Jugendlichen.

Die Studie des Robert-Koch-Instituts hat sich mit dem Verzehr von zuckerhaltigen Getränken auseinander gesetzt und ich muss sagen, dass ich die Zahlen erschreckend fand:

  • 13,7% der Mädchen und 17,6% der Jungen trinken 1-3 mal täglich zuckerhaltige Getränke
  • 3,3% der Mädchen und 4,7% der Jungen trinken diese sogar 4 mal und häufiger am Tag
  • Nur 83,1% der Mädchen und 77,8% der Jungen trinken weniger als 1 mal täglich zuckerhaltige Getränke
  • Mit zunehmenden Alter steigt die Konsumhäufigkeit
  • Kinder und Jugendliche mit niedrigeren sozioökonomischen Status trinken die Getränke häufiger

Probleme durch den Verzehr zuckerhaltiger Getränke:

  • es erfolgt eine Aufnahme sehr hoher Kalorien- bzw. Energiemengen, ohne dass diese zur Sättigung beitragen
  • Das Risiko an Diabetes-Typ-2 zu erkranken erhöht sich, da viel zu viel Insulin zum Abbau des Zuckers produziert werden muss, was die insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse langfristig schädigen kann

Was hilft bei Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Vorab das Wichtigste: Keine Diäten, die einen angeblichen schnellen und dauerhaften Erfolg versprechen! Das gilt übrigens nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen. Diese Diäten führen nur zu Heißhunger und insbesondere bei Kindern sorgt man auf diesem Weg dafür, dass die verbotene Frucht nur noch interessanter wird. Grundsätzlich sollte man immer seine Ernährung sowie seine Gewohnheiten in Bezug auf die tägliche Bewegung umstellen, dies aber natürlich Schritt für Schritt und nicht alles auf einmal. Und ganz wichtig: Eltern sind die Vorbilder ihrer Kinder.

Tipps zum Abnehmen für zu dicke Kinder und Jugendliche

  1. Diäten machen keinen Sinn, da diese nur kurzfristig helfen, das Gewicht zu reduzieren.
  2. Die Ess- und Lebensgewohnheiten müssen schrittweise umgestellt werden, damit sie die Verhaltensmuster langsam daran gewöhnen können. Alles andere würde im Alltag anfangs zu sehr stören und die Wahrscheinlichkeit, dass man aufgibt ist somit zu groß. Also lieber Schritt für Schritt.
  3. Umstellen von hellem Weizenmehl auf Vollkornmehl. Von Weizenmehl gibt es übrigens auch eine Vollkornvariante, die sich nicht allzu stark von der ausgewaschenen unterscheidet. Wenn die Kinder die Umstellung doch bemerken, kann man erstmal das Weizenmehl mit dem Vollkornweizenmehl mischen und den Weizenmehlanteil nach und nach reduzieren. Der Vorteil von Vollkornmehl ist, dass die Nährstoffe nicht ausgewaschen wurden und es deutlich länger satt hält.
  4. Austausch der gesüßten Getränke durch Wasser und ungesüßte Tees. Übrigens enthalten auch Säfte oft zu dem bereits natürlichen Zucker zusätzlich zugefügten Zucker. Diesen sollte man vermeiden. Grundsätzlich gilt, wenn es Säfte gibt, dann als Ausnahme und als Schorle. Die Saftschorlen kann man auch gut nutzen, um von den zuckerhaltigen Getränken wegzukommen, indem man den Saftanteil in der Schorle nach und nach reduziert. So können Kinder sich langsam daran gewöhnen, mit weniger Süßem zu leben.
  5. Regelmäßige Bewegung insbesondere auf kurzen Strecken. Die Eltern müssen nicht immer als Taxifahrer einspringen. Ein großer Teil der alltäglichen Strecken kann zu Fuß, mit dem Rad oder wer im städtischen Gebiet wohnt, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.
  6. Anmeldung im Sportverein, Verabredungen zum Fußball spielen, gemeinsame sportliche Aktivitäten mit Eltern und Kindern. Es ist vieles möglich und die von der WHO empfohlenen täglichen mindestens 60 Minuten an Bewegung sind leicht erreicht, wenn man sie fest in den Alltag integriert.
  7. Selbst Kochen ist gefragt! Denn so weiß man, was im Essen drinnen ist und man verzichtet auf Appetitanreger wie Glutamat, die sich in den Fertiggerichten verstecken. Ebenfalls ein großes Problem bei Fast Food sind der hinzugefügte Zucker, Weizenmehle, zu viel Salz und Fette. Diese Zutaten würde man selbst beim Kochen gar nicht beziehungsweise nur in geringen Mengen beifügen. Viele Eltern haben verlernt zu kochen. Hier muss man einfach mal mutig sein und sich mit einfachen Gerichten austesten. Die Steigerung des Schwierigkeitsgrades kommt dann ganz schnell und von alleine. Wer hier Inspiration benötigt, findet diese in meinem wöchentlichen Essensplan, für den ihr euch anmelden könnt.
  8. Eltern wird durch die Werbung immer wieder suggeriert, dass ihre Kinder kalorienhaltige Zwischensnacks benötigen. Das Problem ist, dass sie zu den nährstoffreichen Hauptmahlzeiten keinen Hunger haben, der Körper sich aber an diese ständige Zufuhr von Energie gewöhnt, so dass er alle zwei oder drei Stunde etwas zu Essen braucht. Das ist bei Säuglingen tatsächlich der Fall, aber nicht bei Kindern und Jugendlichen. Kommt zwischendrin doch mal ein Hungergefühl auf, kann es erstmal was zu trinken geben. Denn oft verwechseln Kinder das Hunger- mit dem Durstgefühl. Reicht dies nicht, bieten sich zum Beispiel Paprika, Gurken, Karotten oder ein Apfel als hervorragender Snack an. So ist das Kind erstmal gesättigt, hat zur nächsten Hauptmahlzeit aber wieder Hunger.

Woran erkenne ich Übergewicht oder Adipositas bei Kindern

Wer kontrollieren möchte, ob sein Kind unter Übergewicht oder Adipositas leidet, der kann auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in einem BMI-Rechner den Body-Mass-Index seines Kindes ausrechnen lassen. Dort erfährt man dann auch direkt, ob das Kind an Übergewicht leidet.

Bei Übergewicht und Adipositas sollte auf jeden Fall der Rat eines Kinderarztes aufgesucht werden, denn nur der kann andere körperliche Ursachen ausschließen, die vielleicht sogar medizinisch behandelt werden müssen und Ratschläge für eine Reduzierung des Gewichts bei Kindern und Jugendlichen geben.

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