Lifestyle
Kommentare 6

Elektroautos für Familien /// Sinn oder Unsinn?

Wer von euch hat bereits über ein Elektroauto als Familien- oder Zweitwagen nachgedacht? Ich habe mich mit dem Thema mal etwas genauer auseinander gesetzt, da ich mich vor allem gefragt habe, ob diese doch oft sehr geringe Reichweite der Elektroautos im Alltag und im Urlaub für Familien überhaupt Sinn macht.

Allgemeines über Elektroautos

Elektroautos gelten als die Zukunft des Straßenverkehrs und sind vor allem für verkehrsstarke Ballungszentren und Großstädte auf Grund ihres im Fahrbetrieb nicht vorhandenen CO2-Ausstoßes und dem deutlich reduzierten Lärmpegel eine perfekte Entwicklung. Das Elektroauto selbst stößt während der Fahrt keine nennenswerten Schadstoffe aus, weshalb es als emissionsfrei eingestuft wird. Das heißt natürlich nicht, dass man durch den Erwerb eines Elektromobils keine Schadstoffe mehr an die Umwelt abgibt. Aber hierauf gehe ich in der Gesamtbetrachtung von der Produktion bis zum Recycling und der Entsorgung des Akkus später genauer ein.

Norwegen und die Niederlande gelten im Bereich Elektromobilität als echte Spitzenreiter. Unsere Nachbarn hatten 2016 einen Marktanteil von 10% an Neuzulassungen, die Norweger liegen sogar bei 29%. Deutschland ist hier mit einem Anteil von 0,75% weit abgeschlagen. Schuld daran sind ein schlecht ausgebildetes Streckennetz an Ladestationen, die sehr hohen Preise für die Autos sowie sehr lange Ladezeiten. Das hört sich jetzt alles nicht sehr positiv an, dennoch lohnt es sich, unter gewissen Voraussetzungen über ein Elektroauto nachzudenken, denn in diesem Bereich tut sich einiges.

Technisches Wissen über Elektroautos

Elektronisch gesteuerte Elektromotoren können im unteren Geschwindigkeitsbereich sehr schnell und stark beschleunigen und benötigen kein Schaltgetriebe, da sie das maximale Drehmoment bereits im Stillstand abgeben. So kann man an der Ampel also locker auch mal den Sportwagen links liegen lassen 😉 Damit es zu keiner Überhitzung des Akkus und Motors kommt, wird das Drehmoment sogar oft gedrosselt, um den Akku zu schonen. Vorteil der Elektromotoren ist, dass sie leiser als Otto- oder Dieselmotoren sind, fast vibrationsfrei und keine schädlichen Abgase an die Umwelt abgeben. Auf Grund des hohen Gewichts der Batterien sind Autos mit Elektromotoren in der Regel schwerer, als mit einem Verbrennungsmotor. Vor allem je höher die Speicherkapazität ist, umso schwerer wird auch die Batterie.

Die Akkumulatoren, das Herz des Elektroautos

Akkureichweiten und -lebensdauer

Zurzeit hat der Großteil dieser Fahrzeuge eine geringe Akkureichweite, für die Zukunft wird hier aber viel versprochen. Statistisch betrachtet legt ein Auto an 90% der Tage weniger als 50 km zurück. Hier würde man mit den durchschnittlichen Reichweiten von etwa 200 km also locker hinkommen. Die große Frage ist jedoch, welche Alternativen sich für die Fahrten in den Urlaub anbieten und ob man bereit ist, diese zu nutzen. Hat man die Möglichkeit mehr Geld in die Hand zu nehmen, ist Tesla mit seinem Model S, das eine Reichweite von 600 km hat, sehr interessant. Renault ZOE und Chevrolet kommen ebenfalls auf Reichweiten von 400 bis 500 km (Stand 2017).

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Leistung und damit Reichweite des Akkus hat die Umgebungstemperatur. Bei Temperaturen unterhalb von 10 Grad Celsius verringert sich die Leistungsabgabe. Einige Systeme (NiMh, Lithium-Polymer) können bei weniger als -20 Grad Celsius sogar einfrieren. Temperaturen über 30 Grad Celsius wirken sich hingegen positiv auf die Leistungsausgabe aus, haben aber einen negativen Einfluss auf die kalendarische Alterung (Kapazitätsabnahme auch ohne Nutzung). Um diese Nebenwirkungen zu vermeiden, temperieren einige Hersteller ihre Akkusysteme. Aber auch die Ladeschnelligkeit (umso langsamer desto besser), das Fahrverhalten, Ladezyklen und die Alterung an sich beeinflussen die Lebensdauer.

Die Haltbarkeit der Batterien wird in der Regel auf 8 bis 10 Jahre bzw. 100.000 km angegeben, danach sind sie allerdings nicht kaputt, sondern geben, vergleichbar wie bei einem Laptop, nicht mehr so viel Energie ab. Sie haben damit also eine geringere Reichweite.

Ladezeiten und Ladesysteme der E-Autos

80 Prozent der Akkuladung erreicht man an leistungsstarken Gleichstrom-Ladestationen in der Regel innerhalb von 30 Minuten. Schließt man das Auto an die normalen 230-Volt-Haushaltssteckdosen an, dauert es natürlich deutlich länger.

Bei den Ladesteckern gibt es verschiedene Arten, die hersteller- und modellabhängig sind, manche Stecker gibt es nur gegen einen Aufpreis.

Möglichkeit 1: Das Aufladen an 230-Volt-Haushalts-Schuko-Steckdosen ist dank Adapterkabel mit den meisten Autos möglich. Eine sehr zeitintensive Variante, aber oft auch die günstigste.

Möglichkeit 2: Der Typ-2-Stecker ist der EU-Standard bei Ladestellen mit Wechsel- oder Drehstrom bis 43 kW. Zusammen mit dem Combo-2-Stecker ist er europäischer Standard und an öffentlichen Säulen in Deutschland vorgeschrieben. Oft haben die verschiedenen Anbieter unterschiedliche Abrechnungssysteme, für die man sich vorher bereits registrieren muss.

Möglichkeit 3: Mit dem Combined Charging System (CCS) wird der Typ-2-Stecker zum Combo-2-Stecker, was die Gleichstromladung ermöglicht.

Möglichkeit 4: Das Supercharger-System von Tesla mit bis zu 135 kW ist ein eigens für Tesla ausgebautes Netz an Schnellladestationen für die eigenen Modelle. Der Ausbau ist in Deutschland ziemlich gut, vor allem unter Anbetracht der Tatsache, dass die Akkus der Teslamodelle sehr weit reichen. Insbesondere an den Autobahnen und in Ballungszentren ist das Netz bereits gut ausgebaut. Hier gibt es auch ein eigenes Abrechnungsmodell.

Recycling der Akkumulatoren

Reicht die Leistung eines Akkumulators nicht mehr aus, gibt es die Möglichkeit diesem ein zweites Leben zu schenken, da die Restleistung für andere Einsatzbereiche noch ausreichend ist. So können sie zum Beispiel in der Industrie oder bei Einfamilienhäusern mit Photovoltaikanlagen als kostengünstiger Energiespeicher genutzt werden.

Gesamtbetrachtung der Umweltbilanz

Hier gibt es unterschiedliche Betrachtungsweisen. Die sinnvollste ist aus meiner Sicht jedoch die Lebenszyklusanalyse, da diese nicht nur die Emissionen in Bezug auf den Kraftstoffverbrauch mit einbezieht, sondern auch den Herstellungs- und Entsorgungsaufwand sowie die Bereitstellung der Antriebsenergie und die Lärmemissionen.

Vorwegnehmen kann ich schon mal, dass Elektroautos mit Blick auf den Energieverbrauch und den Treibhausgasausstoß besser abschneiden, als welche mit Verbrennungsmotor. Diese Aussage würde sich nur aufheben, wenn man ausschließlich Strom aus Kohlekraftwerken zum Fahren nutzen würde und zusätzlich die Batterien in weniger fortschrittlichen Fabriken hergestellt würden. In diesem Fall würde die Treibhausbilanz höher liegen. Laut einer Studie von 2015 wird bei einem durchschnittlichen europäischen Strommix 31% bis 46% weniger CO2 ausgestoßen, als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Die Automotive Science Group (ASG) bewertet jährlich die in den USA angebotenen Elektrofahrzeuge nach Umweltfreundlichkeit, Sozialverträglichkeit und Kosten. Auf Platz 1 des 2017 Environmental Performance Index (Cars) ist ein Hybrid, Platz 2, 3 und 4 wird dann jedoch von Elektroautos belegt. Diese sind der Nissan Leaf S 4dr Hatchback (2), der Chevrolet Bolt EV LT 4dr Hatchback und der Ford Focus Electric 4dr Hatchback. Gesamtsieger über alle drei Kategorien sind als reine Elektroautos der Nissan Leaf S 4dr Hatchback auf Platz 2 sowie der Ford Focus Electric 4dr Hatchback auf Platz 3.

Chevrolet Bolt

Die drei meistverkauften Modelle weltweit waren bis Juni 2016 der Nissan Leaf an erster Stelle, gefolgt vom Tesla Model S und dem BMW i3.

BMW i3

CO2-Ausstoß und Feinstaub

Anfangs habe ich ja bereits erwähnt, dass das Elektroauto CO2-neutral fährt, dass dies aber auf den gesamten Prozess geschaut nicht stimmt. Bei der Herstellung des Stroms entsteht natürlich CO2 und Strom wird nicht nur zum Fahren, sondern auch beim Bau des Autos benötigt. Dieser Strom muss natürlich auch produziert werden. Da es deutlich aufwendiger ist ein Elektroauto zu bauen, als eines mit Verbrennungsmotor, fällt hier mehr CO2 an. Beim e-Golf und dem i3 von BMW wird zum Beispiel doppelt so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie bei vergleichbaren konventionellen Autos. Um diese Bilanz zu verbessern, muss ein möglichst grüner Strommix beim Betanken beziehungsweise Aufladen des Automobils verwendet werden. Hierauf hat man als Nutzer aber leider keinen Einfluss, denn egal ob man grünen oder konventionellen Kohle- und Atomstrom kauft, es kommt natürlich immer der gleiche Stommix aus der Steckdose. Im August 2017 wurde vom Öko-Institut eine Studie veröffentlicht die besagt, dass Elektromobilität bereits mit dem aktuellen Grünstromanteil von 30% eine vorteilhaftere Klimabilanz im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen aufweist. Laut einer Studie der NOW von 2016 spart man beim aktuellen Strommix erst ab einer Fahrleistung von 100.000 km CO2 ein. Bei reinem Öko-Strom würde man diesen Punkt bereits bei 30.000 km erreichen. Reiner Öko-Strom klingt zum jetzigen Zeitpunkt leider noch utopisch, allerdings ist es sicher, dass der Anteil an grünem Strom stetig zunimmt und dieser, ich nenne ihn mal Return on Invest, sich immer mehr zum Positiven verschiebt. Anders sieht es nochmal bei Modellen mit einer Reichweite von 400 km statt 150 bis 200 km aus, denn hier müsste man mit dem Auto auf 300.000 km kommen, damit eine positive CO2-Bilanz erreicht wird, da leistungsstärkere Akkumulatoren benötigt werden.

Die Feinstaubbelastung ist bei Elektrofahrzeugen minimal, da dieser nur durch den Abrieb der Reifen und durch den Bremsvorgang entsteht. Der Elektromotor an sich stößt im Gegensatz zum Verbrennungsmotor keinen Feinstaub aus.

Rohstoffabbau

Für die Herstellung der Batterie werden Lithium und Kobalt benötigt. Der Abbau von Kobalt erfolgt hauptsächlich durch Kinder in den Minen der Demokratischen Republik Kongo. Lithium wird hauptsächlich in Bolivien, Chile, Argentinien und China abgebaut. Dieser Abbau schädigt das Ökosystem vor Ort enorm. Hier ist es wichtig, dass es zukünftig Kontrollsysteme gibt, die dies verhindern, um den Menschen und die Umwelt zu schützen.

Mein Fazit

Irgendwo habe ich gelesen, dass man die Entwicklung vom PKW mit Verbrennungsmotor zu einem mit Elektromotor mit der Ablösung des Röhrenfernsehers durch den Flatscreen vergleichen kann. Diesen Blick fand ich irgendwie für mich sehr einleuchtend. Ich habe lange einen Röhrenfernseher gehabt, da dieser noch funktioniert hat und die Flachbildgeräte für mich viel zu teuer waren. Irgendwann war das alte Gerät kaputt und es musste ein neues her. Es war natürlich ein technisch moderner Fernseher, da es die alten nicht mehr gab und die Preise sich deutlich zum Positiven und damit zur Massentauglichkeit entwickelt haben. Genauso wird es auch mit den Elektroautos sein. Momentan sind sie noch sehr teuer, hip und irgendwie ein Exot. Die sehr hohen Anschaffungskosten machen es dem Großteil der Bevölkerung trotz staatlicher Bezuschussung nicht möglich, sich ein umweltschonenderes Automobil anzuschaffen. Dass das Auto im Vergleich zu einem Benziner günstiger ist, kann man auf Grund der deutlich höheren Anschaffungskosten gegenüber einem konventionellen Fahrzeug nicht behaupten. Aber nichtsdestotrotz ist dieses Automobil mit Blick auf die Umwelt das, was wir brauchen. Momentan setzt der Punkt, dass sich die Umweltbilanz in Bezug auf den CO2-Ausstoß zum Positiven wendet, erst bei einer Fahrleistung von etwa 100.000 km ein. Dies ist natürlich auch stark vom Modell abhängig. Da unser Strommix sich aber immer weiter in Richtung Öko-Strom entwickelt, verringert sich dadurch automatisch auch der CO2-Ausstoß.

Als großes Familienauto, mit dem man in den Urlaub fährt sehe ich die meisten Modelle nicht, da die Reichweite zu gering ist. Müssten wir uns zurzeit für ein neues Auto entscheiden, würde die Tendenz dennoch stark zu einem Elektroauto gehen, da wir im Alltag keine langen Tagesstrecken zurücklegen. Im Urlaub würden wir uns für einen Mietwagen oder eine Bahnfahrt entscheiden. Je nach Gepäckaufkommen 😀 Wobei wir auch in den Urlaub meistens eher kurze Strecken zurücklegen, weil es im Norden eh am schönsten ist 😉

Mein absoluter Favorit wäre übrigens der I.D. Buzz, also der Elektrobulli von VW, der 2022 auf den Markt kommen soll. Ich fange dann mal an zu sparen.

Fotos: Presse

Quellenangaben:
Zeit Online: Industrie warnt vor Rohstoffknappheit
Zeit Online: Fünf Möglichkeiten, ein E-Auto zu laden
Spektrum der Wissenschaft: Wie viele Emissionen setzen Elektroautos wirklich frei?
Wikipedia: Elektroauto
Focus: 800 Kilometer Reichweite in Aussicht: Ab 2020 kommt die Elektro-Wende

6 Kommentare

  1. Super interessanter Post! Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit exakt der gleichen Frage! wir haben 2 Autos, wobei der Zweitwagen mittlerweile echt oll ist… Da wir den nur für Kurzstrecken nutzen, wird er wohl in naher Zukunft durch ein Elektroauto ersetzt – bin aber auch noch völlig unschlüssig, was man da nimmt… Bei der Familienkutsche wird es schon komplizierter mit 2 Kindern… Da sind wir uns einig… Da wird noch ein paar Jahre gewartet, bis sich das alles ein bisschen weiter entwickelt hat. So lange wird der Benziner noch gefahren. Jedenfalls ein super interessantes Thema und man kann nur hoffen, dass wir hier in Deutschland auch endlich in die Puschen kommen… Angeblich soll es ja jetzt bei Opel vorangehen… Schaun mer mal…

    • StyleMom sagt

      Ich finde auch, dass es momentan oft noch ein Auto für Kurzstrecken ist. Hier muss noch einiges geschehen. Aber der Weg ist ja nun immerhin eingeschlagen und die Zeit wird zeigen, was die Entwicklung uns da noch bringen wird.

  2. Es ist super spannend in welche Richtungen man das Thema Nachhaltigkeit angehen kann. Zu Beginn der Elektro-Autos hab ich dem ganzen immer noch nicht so geglaubt. Ich fuhr regelmäßig richtig lange strecken und hätte Angst gehabt das der Strom nicht reich. Aber das geht ja mittlerweile auch immer besser.

    • StyleMom sagt

      Ja, die Reichweiten haben sich schon deutlich verbessert. Allerdings finde ich, dass diese trotzdem noch weiter ausgebaut werden muss oder es ein flexibleres Ladesystem geben müsste.

  3. Mein Mann arbeitet bei den Stadtwerken und natürlich haben die auch Elektroautos als Firmenwagen und versuchen durch Mietmodelle für Wohneinheiten die Elektromobilität in der Stadt voran zu treiben, nur wenn er mal nen Termin in Wiesbaden hat (also ca. 45 Minuten entfernt nimmt er einen normalen Wagen aus dem Fuhrpark, denn er käme nicht hin und zurück und am Ziel keine Ladestation, da ist noch viel zu tun und das treibt mein Mann mit voran. Gerade dieses Auto das viele nutzen ist genial, die Firmenwagen der Stadtwerke kann man auch mit nutzen und sich in ein Portal anmelden.
    Das wird wohl die Zukunft

    • StyleMom sagt

      Da hat dein Mann einen wirklich spannenden Job. Ich bin mir auch sicher, dass dies die Zukunft sein wird. In Hamburg sieht man inzwischen auch immer mehr Elektroautos auf der Straße.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.