Mein Weg in die Selbstständigkeit
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Hochzeits-Design mit Herz

Für Melina stand schon lange fest, dass sie sich irgendwann mal selbstständig machen möchte. Als Grafikdesignerin hat sie nun ihr eigenes Grafikbüro MeLeibelt gegründet, das sich an Unternehmen wendet und bietet Kunden zum anderen mit ihrer Hochzeits-Papeterie ein individuelles Design für Hochzeiten. Diese sympathische, junge Unternehmerin hat sich die Zeit genommen und mir einige Fragen zu ihrem Weg in die Selbstständigkeit beantwortet.

Wann ist die Idee aufgekommen und was war der Auslöser, dass du sie in ein reales Projekt umgewandelt hast?

Eigentlich wollte ich mich schon früh selbstständig machen. Das war schon mein Traum während des Studiums. Meine Ausbildung zur Mediengestalterin hat mir zwar sehr gut gefallen, doch habe ich schon damals gemerkt, dass der Agenturalltag als Angestellte nicht 100%ig zu mir passt. Im Studium habe ich dann das freie Arbeiten genossen. Erste eigene Illustrations-Aufträge und Kunden kamen über das bereits in 2005 gegründete Kleinunternehmertum fast von selbst. Aber ich konnte mich nicht dazu durchringen, mich direkt nach dem Studium hauptberuflich selbstständig zu machen. Mein damaliger Freund (mittlerweile Ehemann) und ich hatten ein stark sanierungsbedürftiges Haus gekauft und Nachwuchs sollte ja auch irgendwann kommen. Da war die Selbstständigkeit keine Option, ich wollte erst mal den „sicheren“ Weg gehen. Nach drei Jahren als Artdirektorin in einer Werbeagentur und direkt nach unserer Hochzeit war es nun so weit, der kleine Mann in meinem Bauch wuchs heran 🙂 Das Haus war zu 80% saniert und ich ging mit dem Bewusstsein in den Mutterschutz/Elternzeit, dass ich nicht wieder zurückkehren würde. Ich habe eine Woche vor der Geburt noch an eigenen Aufträgen gearbeitet und später mit dem schlafenden Kind neben dem Schreibtisch. Meine Zufriedenheit dabei ließ meine Zuversicht wachsen und der Schritt in die volle Selbstständigkeit war für mich keine Notlösung, sondern ein Herzenswunsch.

Warum hast du genau diese Geschäftsidee umgesetzt und was ist das Besondere daran?

Ich teile meine Unternehmung in 2 Felder. Zum einen das Grafikbüro MeLeibelt und zum anderen die Hochzeits-Papeterie HERZ-Blatt. Das Grafikbüro bedient die klassischen Kommunikationsmedien für Startups, Klein- und Kleinstunternehmen. Am liebsten fertige ich aber Illustrationen an: Leider kommen hier noch zu wenig Aufträge rein. Ich bin gerade auf der Suche nach einem Agenten, denn sich selbst um den Kontakt mit Verlagen und Agenturen zu bemühen ist doch sehr zeitaufwendig.

Grafigdesign für Hochzeiten von Melina Leibelt

So habe ich die Illustrationen in meine Hochzeits-Papeterie eingebunden. Neben kompletten Corporate Designs, Deko und Gastgeschenken für den schönsten Tag der Welt kann man bei mir auch individuelle Illustrationen anfertigen lassen. Diese zieren dann Einladungen, Danksagungen und z.B. Menükarten. So bekommen die Paare bei mir Ihre ganz individuelle Papeterie.

Wie sahen deine ersten Schritte aus?

Eigentlich war es ein schleichender Prozess. Denn als Grafik-Designerin mit Kleinunternehmen hatte ich schon alles, was man zum Arbeiten benötigt. Mac, Programme, weitere Hardware. Das Büro war auch von Anfang an in den Umbau unseres Hauses eingeplant. Also mussten hier keine Anschaffungen getätigt oder Räume angemietet werden, wie es so oft bei einer Gründung der Fall ist.

Aber es war sehr wichtig mich mit dem Businessplan auseinander zu setzen, auch wenn es schwierig war den Anfang zu finden. Man bekommt ein anderes Verständnis für die Einnahmen- und Ausgabenstruktur und damit auch Preispolitik. Denn das habe ich anfangs unterschätzt.

Wie wurdest du bei der Neugründung unterstützt und was waren gute Anlaufstellen?

Ich muss sagen, dass ich das Mompreneur-Netzwerk wirklich toll finde. So viel Unterstützung von Frauen in gleichen oder ähnlichen Situationen ist fantastisch! Eine Designerin hat mir sogar ihren Businessplan geschickt, als ich an einer Stelle nicht weiter kam, das ist nicht selbstverständlich.

Und ich habe einen Gründungswettbewerb für Kreative gewonnen. Als Hauptpreis gibt es finanzielle Unterstützung und einen Mentor, der einem bei Fragen zur Seite steht und auch nach der Gründung für einen da ist, sowie Seminare für Gründer die ich nun ein Jahr kostenfrei besuchen kann.

Kontakte, Netzwerke und Weiterempfehlungen sind für den Erfolg wichtige Bausteine. Aber ohne die Unterstützung in der Familie hätte die Gründung zu diesem Zeitpunkt nicht funktioniert, denn unser Sohn ist im März geboren. Somit kommt er erst mit eineinhalb Jahren in die Krippe, da an meinem Wohnort immer erst zum 01.08. aufgenommen wird. Für ein halbes Jahr eine vertrauensvolle aber preiswerte Tagesmutter zu finden ist nahezu unmöglich, denn die wollen verständlicherweise lieber Kinder die 2 Jahre oder länger bleiben. Wir haben deshalb von Beginn an geplant, dass mein Mann seine zwei Monate Elternzeit hinten dran hängt, damit ich starten kann. Danach hat meine Schwägerin, die selbst drei Söhne (fünf, drei und 18 Monate) hat, ihn drei Tage in der Woche für fünf bis sechs Stunden betreut. Meine Großmutter die schon 81 ist, kam einmal die Woche zu uns und hat sich um ihn gekümmert. Meine Mutter hat ihn oft bei sich gehabt, damit ich am Stück viel schaffen konnte. Und natürlich mein Mann am Wochenende. So war relativ wenig Freizeit da, aber es heißt nicht ohne Grund Selbst und Ständig.

Grafigdesign für Hochzeiten von Melina Leibelt

Ein wichtiger Punkt ist ja die Finanzierung, da die anfängliche Zeit in der Regel erstmal finanziell überbrückt werden muss oder auch große Anfangsinvestitionen anstehen. Wie hast du das hinbekommen und was kannst du hier den anderen für Tipps mit auf den Weg geben?

Ich habe alles was ich in meiner nebenberuflichen Selbständigkeit zu meinem festen Gehalt dazu verdient habe in den Aufbau der Unternehmung gesteckt, da ich ja wusste, dass ich mich früher oder später selbstständig machen möchte. So hatte ich in der Zeit finanziell keine Einbußen und konnte in Ruhe alles vorbereiten.

Etwas haarig war allerdings die Zeit nach dem Elterngeld. Denn mein Mann hat seine zwei Monate in Anspruch genommen und entsprechend weniger war dann in der gemeinsamen Kasse. Da ich zu diesem Zeitpunkt gerade arbeitssuchend geworden bin und zusätzlich Zeit für die Erstellung des Businessplanes opfern musste, wurde das ein echter Engpass. Da hätten wir doch ein bisschen mehr bei Seite legen sollen. Wäre in der Zeit das Auto oder die Waschmaschine kaputtgegangen, wäre das wirklich nicht zu meistern gewesen!

Heute würde ich schauen, dass ich ein Polster von mindestens 4000 € für die Gründung und die Übergangszeit habe. Es hat zwar irgendwie hingehauen, aber man erspart sich so viel Stress und vielleicht auch Streit! Und man soll sich ja auf das wesentliche, die Gründung konzentrieren können und nicht immer daran denken, ob man bestimmte Anschaffungen noch tätigen kann.

Hattest du die Gründung komplett durchkonzipiert oder war es eher ein Aus-dem-Bauch-heraus-Prozess?

Wohl eher aus dem Herzen heraus 🙂 Ich denke, ich hätte das alles auch ohne Businessplan und ohne großes Konzept machen können, da ja alles schon am Laufen war. Dennoch war es gut, den Businessplan zu schreiben. Denn so bekommt man nochmal einen objektiven Blickwinkel auf das, was man vorhat.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht und was hat besonders gut geklappt?

Ich hätte mir ein größeres finanzielles Polster zulegen sollen. Es ist an manchen Stellen sehr eng geworden. Denn ich musste mehr Zeit für die Gründung, als für meine Aufträge aufwenden. So ist weniger reingekommen, als gedacht.

Besonders gut war dass ich aus dem Kleinunternehmertum in die hauptberufliche Selbstständigkeit gegangen bin. So startet man nicht bei null und hat bereits ein gewisses Knowhow und einen Kundenstamm. Das gibt einem ein besseres Gefühl & Sicherheit, besonders mit Kind, Haus etc…

Welche Tipps kannst du all denen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Mehrere Anlaufstellen für die Gründung aufsuchen. Denn mehrere Meinungen auch zur Geschäftsidee sind besser als nur eine. Ich fand z.B. die Gründungshilfe die für Frauen ausgelegt war nicht besonders prickelnd, da mir selbst dort gesagt wurde: „ Versuchen sie erst mal halbtags wieder bei ihrem Arbeitgeber zu landen“. Obwohl ich klar gemacht hatte, dass ich das nicht wollte. Ich habe mich nicht ernstgenommen gefühlt und wenn man als „Mutti“ Grafik-Design macht, wird man oft in die „Hobby Ecke“ gestellt.

Man muss fest von seiner Sache überzeugt sein, um auch andere zu überzeugen die einen helfen oder fördern sollen. Man darf nicht aufgeben, sondern muss oft die Zähne zusammenbeißen und mit dem Kopf durch die Wand.

Und man braucht Familie. Zum einen um bei der Betreuung des Kindes zu helfen und zum anderen als starke Schulter zum Anlehnen, Ausheulen und Aufmuntern.

2 Kommentare

  1. Super spannend – gerade das mit den Hochzeitsillustrationen! Hut ab! Ich hoffe, dass sie bald mehr Aufträge dafür bekommt!

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